It Follows (2014)

Was für eine Woche. Nach einer erneut sehr kurzen Nacht hätte ich schwören können, dass ich keinen Film durchhalte. Doch dann waren die Kinder im Bett und wir haben es tatsächlich um 20 Uhr auf das Sofa geschafft. Ich wollte dennoch auf Nummer sicher gehen und habe mich mit „It Follows“ somit für einen spannungsgeladenen Horrorfilm entschieden. Nach „Predator 2“ mein zweiter spontaner Beitrag zum diesjährigen #Horrorctober – mal sehen, was noch folgen wird…

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Ich habe viele Lobeshymnen über den Film gehört. Ein Genrefilm, der das Horrorkino der 80er Jahre atmet. Ein Score, wie von John Carpenter höchstpersönlich geschrieben. Versatzstücke, die etwas komplett Neues ergeben. Ja, die Erwartungen waren hoch, doch war ich auch vorsichtig, nachdem mit „The Guest“ bereits ein Film mit ähnlichen Attributen bei mir nur bedingt gezündet hat. David Robert Mitchells Film hatte mich jedoch schon nach dem Prolog: Der treibende Elektro-Score, die famose Kameraarbeit, die klischeehaft und doch überraschend inszenierte Scream Queen – „It Follows“ schien wirklich alles zu haben, was ich am Horrorkino der späten 70er und frühen 80er Jahre liebe.

Es ist wirklich erstaunlich: Wenn nicht ab und zu ein Mobiltelefon gezückt worden oder moderne Autos durch das Bild gefahren wären, ich hätte schwören können, dass der Film in den 80er Jahren spielt. Doch gerade die Kombination aus modernem Setting und 80er Jahre Inszenierung (z.B. Zooms statt Kamerafahrten) lassen uns Zuschauer den Film so erleben, wie wir die Klassiker von damals in Erinnerung haben. Ein starker Kniff, der einfach funktioniert. Selbst Schauspieler und Charaktere wirken wie die Filmfiguren, an die wir uns zu erinnern scheinen. Formal ist „It Follows“ wahrlich ganz großes Kino. Wie sieht es jedoch inhaltlich aus?

Auch inhaltlich wirkt David Robert Mitchells Horrorfilm wie ein modernes Kondensat an allem, was uns das Genrekino der 80er Jahre lehrte: Sex wird bestraft, was in „It Follows“ plakativ auf die Spitze getrieben wird. Zugleich wird der Twist etabliert, dass Sex auch Befreiung sein könnte, es aber niemals wirklich ist. Ob man den Film nun als Allegorie auf sexuell übertragbare Krankheiten sieht oder einfach nur als strikte Fortführung der etablierten Genreformel – der daraus resultierende Horror funktioniert erschreckend gut. Die Regeln sind einfach und das Monster alltäglich. Es ist mitten unter uns und fällt uns meist zu spät auf. Auch als Zuschauer ist man am Ende völlig paranoid und sucht jede Einstellung danach ab. Famos. Und ja, ich habe mich gefürchtet und hinter meiner mutigeren Hälfte verkrochen…

Ich kenne nur noch wenige moderne Vertreter des Genres und befürchte, dass die meisten nicht halb so stilsicher inszeniert sind und inhaltlich ebenso beeindrucken können, wie „It Follows“. Mich hat der Film wirklich beeindruckt, auch wenn nicht jede Idee in letzter Konsequenz zündet. So lasse ich mich gerne gruseln: 8/10 Punkte.

17 Gedanken zu “It Follows (2014)

    • Formal nimmt er sich nichts mit „The Guest“, keine Frage. Inhaltlich jedoch fand ich „It Follows“ deutlich stärker. Aber hätte mich auch gewundert, wenn wir das hier mal ähnlich sehen würden…😉

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    • Ja, das sehen wir wirklich sehr ähnlich. Freut mich übrigens, dass er auch bei wiederholten Sichtungen zu funktionieren scheint.

      Ach, mir hat „The Guest“ schon gut gefallen. Speziell formal fand ich ihn herausragend. Inhaltlich jedoch war es nur eine weitere dieser Jason-Bourne-Verschwörungsgeschichten. Das fand ich einfach zu dröge.

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  1. Hab den Film auch gesehen und kann dir in fast allen Punkten zustimmen: Atmosphäre, Darsteller, Kamera, Soundtrack – war alles gut. Kein schlimmes Teenie-Gesülze oder Gekreische sondern recht authentisch die Figuren. Nur die Story ist für mich schlussendlich ein großes Nichts. Mal wieder müssen Zombies/Geister herhalten wie gefühlt in jedem zweiten Film/Serie. Woher sie kommen, was das Ganze soll und und und wurde wie üblich bei Mystery/Horror nicht erklärt. Solcher Hokuspokus regt mich immer irgendwie auf, ich hätte es gerne realistischer.

    Da sind mir Scream oder Halloween deutlich lieber, weil es dort eben „echte“ Killer gibt und das Ganze glaubwürdiger ist.

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    • Ach, ich weiß nicht, hier hat mich das übernatürliche Element nicht gestört. Ich mochte zudem, dass es überhaupt nicht weiter erklärt wurde: Man hatte, wie auch die Charaktere, nur das Set an Regeln und musste eben irgendwie damit umgehen. Das fand ich sehr zielführend, was die Handlung und die bedrohliche Atmosphäre angeht. Da ist Michael Myers ja fast ebenso übernatürlich, wenn man seine Fähigkeit zu überleben in Betracht zieht. Bei „Scream“ bin ich aber ganz bei dir…🙂

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      • Gut, das stimmt, Michael Myers ist in der Tat kaum totzukriegen. Beim Original von 1978 gehts aber noch.

        Ist wohl wie so oft Geschmackssache und je nach Laune oder Lust abhängig. Grundsätzlich bin ich nicht der große Fan von übernatürlichen Elementen oder Figuren. Somit sind Science Fiction, Horror oder Fantasy nicht unbedingt meine Lieblingsgenres. Mir fehlt dafür wohl einfach die Phantasie. Aber es kommt halt immer auch auf den Film an. Alien von Ridley Scott z.B. ist für mich nach wie vor der beste Film der 70er Jahre. Einfach ein Meisterwerk, ein ziemlich perfekter Film.

        Nochmal zu It follows: Die Szene, als Jay gegen Ende des Films ins Wasser geht, weil sie 3 Typen auf einem Boot sieht. Wollte man damit andeuten, dass sie alle drei vernascht hat, um „es“ weiterzugeben?
        Am Ende des Films werden sie und ihr junger Freund aber weiterhin verfolgt. Heißt das, dass die 3 Typen es nicht lange gemacht haben?

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      • Auch wenn ich Science-Fiction und Fantasy durchaus zu meinen Lieblingsgenres zählen würde, muss ich dir zustimmen, dass „Alien“ einer der besten Filme ist – und zwar nicht nur der 70er, sondern überhaupt. Bis heute zählen die ersten beiden Teile der Filmreihe zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.

        Ich glaube die Szene am Wasser mit dem Boot sollte absichtlich mehrdeutig interpretierbar sein. Letztendlich hat Jay es wohl nicht durchgezogen, weil sonst hätte es sie nicht im Schwimmbad angegriffen. Das Ende war dann ebenso zweideutig – eben ein typisches offenes Ende für diese Art von Film. Fand ich sehr passend.

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  2. Pingback: Media Monday #278 | Tonight is gonna be a large one.

  3. Ich mochte ihn, aber auch nur bedingt… die ganzen Horror- und Grusel-elemente fand ich super. Ich mochte auch diesen 80er-Jahre-Look, obwohl es in der Moderne spielt. Aber allein dieses Haus in dem netten kleinen Vorort und man denkt an „Halloween“ oder „A Nightmare on Elm Street“ und wie sie nicht alle heißen.

    Aber so richtig gepackt hat mich die Story nicht… ich müsste ihn vielleicht noch ein zweites Mal gucken (oder mir meine Kritik durchlesen😉 )

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