Sicario (2015)

Heute habe ich mir endlich einen Film angesehen, der mir schon länger von einem Kollegen und guten Freund empfohlen wird. Denis Villeneuves „Sicario“ ist zudem seit Kurzem bei Amazon Prime in der Flatrate enthalten und wird dabei sogar im richtigen Bildformat ausgestrahlt. Da muss man den Verleih Studiocanal doch fast schon ein Lob aussprechen. Einer erfolgreichen Sichtung stand somit nichts im Wege, doch konnte der Film auch inhaltlich mithalten?

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Tatsächlich hat mich „Sicario“ von der ersten Sekunde an gefesselt. Und das liegt nicht wirklich an der recht geradlinigen Geschichte rund um den Drogenkrieg an der Grenze zu Mexiko. Nein, Denis Villeneuve schafft es durch die Inszenierung eine dermaßen dichte und spannungsgeladene Atmosphäre aufzubauen, dass meine Hände teils schweißnass waren. Seien es die distanzierten Kamerafahrten, der plötzliche Wechsel mitten ins Geschehen, die stete Unsicherheit unserer Identifikationsfigur oder der wummernde Score. Vermutlich ist es das Zusammenspiel all dieser Elemente. Ich musste nach der Sichtung auf jeden Fall erst einmal tief durchschnaufen.

Im Gegensatz zu Villeneuves fast schon intim erzähltem Entführungsdrama „Prisoners“ wird in „Sicario“ auf geopolitischer Ebene agiert. So hat es zumindest anfangs noch den Anschein. Letztendlich erzählt aber auch dieser Drogenthriller mehrere überaus persönliche Geschichten, wobei gerade unsere Hauptfigur (toll gespielt von Emily Blunt) am Ende verlorener wirkt als zu Beginn des Films. Der von Benicio Del Toro dargestellte Gegenspieler ist vermutlich der heimliche Star von „Sicario“, doch hätte ich mir durchaus mehr Ambiguität in seiner Figur gewünscht. Letztendlich versickert aber auch diese Kritik in den starken Bildern und der mitreißend inszenierten Action.

Oft wirkt „Sicario“ mehr wie ein Kriegsfilm denn wie ein Thriller. Man befindet sich als Zuschauer mitten unter Söldnern (angeführt von Josh Brolin) und versucht in dieser fremden Welt irgendwie mitzuhalten. Das gelingt uns jedoch genauso wenig wie Kate Macer (Emily Blunt), die am Ende nicht als strahlende Heldin in den Sonnenuntergang reiten darf. Dies ist ein zutiefst pessimistischer Film, der gerade aufgrund seiner real wirkenden Bilder umso erschreckender ist. Ich werde dieses Erlebnis wohl so schnell nicht vergessen und freue mich schon auf die geplante Fortsetzung: 8/10 Punkte.

34 Gedanken zu “Sicario (2015)

    • Ja, ein Punkt mehr wäre auch durchaus gerechtfertigt. Mir war am Ende nur Alejandros Alleingang zu sehr im Fokus und ich hätte mir eine aktivere Kate Macer gewünscht, aber das war vielleicht auch der Kern des ganzen Films.

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  1. Ich sehe, wir sind uns wieder einmal recht einig und ja, mich hat Del Toro als heimlicher Star des Films auch überrascht, wenn der Titel das auch eigentlich schon suggeriert. Und stimmt, gerade gegen Ende hat Kate doch einen recht passiven Part, wobei mich das auch nicht von einer hohen Wertung abgehalten hat. Bezüglich der Fortsetzung bin ich ja echt gespannt, wie man das aufziehen wird, tendiere im Moment aber noch dazu, der Meinung zu sein, dass „Sicario“ als einzelner, eigenständiger Film besser wirkt, trotz oder gerade wegen des pessimistischen Endes, doch lasse ich mich da gern eines Besseren belehren😉

    ps: Verlinkung pflege ich am Wochenende nach, jetzt wartet erst einmal „Preacher“ auf mich🙂

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    • Ja, ich verstehe warum Del Toros Figur so in den Vordergrund rückt. Dennoch fand ich die Szenen am stärksten, in denen Blunt völlig überfordert mit dem Team zusammen agieren muss. Das war oft schon schwer auszuhalten. Die Fortsetzung soll ja Del Toros Charakter noch mehr in den Vordergrund rücken, insofern dürfte es auch eine ganz andere Art von Film werden. Wenn Villeneuve wieder Regie führt, bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei. Für sich alleine ist es auf jeden Fall ein extrem starker Film.

      Bin schon gespannt, was du über „Preacher“ sagst. Da habe ich noch gar nicht reingeschaut…🙂

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  2. Fein. Für mich ist SICARIO Top 3 Material des letzten Jahres und deine Aussage „Oft wirkt „Sicario“ mehr wie ein Kriegsfilm denn wie ein Thriller.“ würde ich erweitern und sagen „immer“. In meinen Augen ist es ein Kriegsfilm, denn „War on Drugs“ ist (wie auch „War on Terror“ und „War on Whatever“) ist ein Auswuchs modernen Krieges, in dem fanatische Organisationen, Kartelle, etc. den klassischen Feind in Form einer Nation ersetzt haben. Auch der Verfall von Moral, die Drastik (und Grenzüberschreitung) der gewählten Mittel, etc. sind Themen, die genau so schon immer in Kriegsfilmen behandelt wurden. Hab ihn mittlerweile ein zweites Mal gesehen (nachdem ich mir das tolle Steelbook gegönnt hab) und war sogar noch begeisterter.

    Wie fandest du den Perspektivwechsel am (auch inhaltlichen) Scheidepunkt in den Schächten kurz vor Ende? Ich meisterhaft! SPOILER: In dem Moment, wo sich Kate eröffnet, dass sie nur ein Bauer in einem perfiden Schachspiel war, sich ihr Blick also für das große Ganze öffnet, erlaubt Villeneuve auch uns erstmalig das große Ganze zu sehen und Del Toro’s Figur zu folgen. Wow, ein genialer Kunstgriff…

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    • Danke für deine Analyse. Damit triffst du den Nagel vermutlich auf den Kopf. Ich fand den Perspektivenwechsel tatsächlich nicht komplett gelungen, da es für mich spannender war, die Geschehnisse aus Kates Augen zu erleben. Del Toros Figur war zu abgeklärt und hat, nachdem man wusste wer er war, an Grauzone vermissen lassen. Dennoch sehr effektiv und mitreißend inszeniert. Ich glaube ich sollte mir den Film auch noch ein zweites Mal anschauen. Aber das müsste ich tatsächlich bei vielen Filmen…😉

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      • Hab auch nachgehakt, weil der Wechsel ein gängiger Kritikpunkt war. Was Del Toro dann in Mexico tut, hat mich aber nachhaltig verstört und war die perfekt Parabel darauf, wie der Krieg die menschliche Seele frisst. Was ihm widerfahren ist, kann man ja kaum in Worte fassen, aber genau DASS es passiert ist, brennt jegliche Empathie aus ihn heraus. Beim zweiten sehen wirkt seine Figur übrigens von Anfang an ganz anders.

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      • Ja, verstörend war es zweifellos. Hat bei mir auch nachhaltig Eindruck hinterlassen, doch war mir die Figur so fremd, dass ich die Szenen mit Emily Blunt doch nachdrücklich bewegender fand – selbst wenn sie eine eher passive Rolle eingenommen hat.

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  3. Hätte mir den Film vermutlich nie angeschaut wenn er nicht in der Sneak Preview gelaufen wäre. Obwohl es nicht ganz mein Genre ist hat er mich auch ziemlich gepackt. Bis heute ist er mir fast komplett in Erinnerung geblieben. Interessant fand ich, dass man eigentlich immer nur so viel weiß wie die von Emily Blunt toll dargestellte Hauptperson.
    So viel ich weiß wollten die Produktionsfirmen den Film nicht unterstützen nur weil die Hauptperson eine Frau sein sollte. Wäre es ein Mann gewesen hätten sie sofort zugesagt. Toll, dass es trotzdem geklappt hat. Mit einer männlichen Hauptperson wäre der Film vermutlich in dem Berg ähnlicher Filme untergegangen.

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    • Wow, davon wusste ich noch nichts. Zwar hätte ich mir Blunts Figur gerne ein wenig aktiver gewünscht, doch was es für einen Vorteil hätte haben sollen, wenn die Figur von einem Mann gespielt worden wäre, erschließt sich mir nicht. Schon seltsam was im Hintergrund so mancher Produktionen abgeht.

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  4. Schön, dass du auch endlich diesen großartigen Film gesehen hast – und dass er dich ähnlich gepackt hat wie mich. Kannst dir bestimmt vorstellen, dass der Film im Kino einen NOCH mehr fesselt (daher auch bei mir 9 von 10 Punkten).

    Cool, dass der inzwischen auf Prime läuft, vielleicht nehme ich mir den zur Zweisichtung mit in den USA-Urlaub! Mal sehen, wie er dann auf dem Fire Tablet mit Kopfhörern wirkt…😉

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    • Ich kann mir gut vorstellen, dass ich nach einer Sichtung im Kino auch 9 Punkte vergeben hätte. Auch bei mir ist der Film klar näher an der 9 als an der 7.

      Hmm, Filme auf dem Tablet. Das ist für mich immer noch unvorstellbar. Aber berichte doch mal…🙂

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      • Bisher habe ich nur mal die ein oder andere Serienfolge aufm Tablet geschaut. Auch nicht mein Lieblingsmedium dafür, aber da ich eben jetzt ein Fire Tablet mit in den Urlaub nehme, wollte ich mir eben schon ein bisschen Material aus dem Amazon Prime Programm runterladen, da ich doch die meiste Zeit alleine unterwegs sein werde und das Fernsehprogramm in den Motels nicht immer soooo super ist (v.a. unglaublich viel unglaublich schlechte Werbung haben meine Nichte und ich da letztes Jahr gesehen).

        Ob ich letztendlich tatsächlich auch Filme darüber ansehen werde, wird sich zeigen. Aber ich kann gerne darüber berichten.😉 Letztes Jahr habe ich ja im Flieger auf dem iPhone (!) „Jupiter Ascending“ angesehen, weil auf dem Tablet meines Freundes, das ich dabei hatte, das In-Flight-Programm von JetBlue nicht funktioniert hat. Grenzwertig, gerade bei so einem Film!😀

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      • Von „Fear the Walking Dead“ hatte ich auch mal zwei Folgen auf dem Tablet gesehen. Das war bei der Serie auch schon egal und TV ging nicht, da die Kinder im Raum waren – und das wäre nicht gerade, ähm, dem Erziehungsauftrag entsprechend gewesen…😉

        Kann also gut verstehen, dass du es auf Reisen mal versuchst! Würde ich wohl auch so machen.

        Mit „Jupiter Ascending“ hattest du ja glücklicherweise einen Film erwischt, bei dem es nur auf die Dialoge ankommt und die Bilder zu vernachlässigen sind. Den kann man schon einmal auf einem iPhone schauen…😆

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  5. Nicht der beste Villeneuve, aber das sagt ja glücklicherweise nicht viel. (Noch höher als „Prisoners“ schätze ich den wenn auch etwas weniger spektakulären „Enemy“ ein.) Ganz starkes Kino, das sich von der inzwischen ziemlich eintönigen Masse des Thrillergenres durch die Kriegsfilm-Anklänge sehr wohltuend abhebt. Mit der Wertung gehe ich absolut mit.

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    • „Enemy“ fehlt mir bisher tatsächlich noch, doch möchte ich ihn sobald wie möglich nachholen. „Prisoners“ fand ich ja tatsächlich großartig und auch „Sicario“ für sein Genre extrem stark.

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  6. Pingback: Media Monday #267 | Tonight is gonna be a large one.

  7. Hach, das ist so ein Brett von dem ich gar nicht genug kriegen kann. Saß damals im Kino mit angespannten Nerven im Sessel und habe mich kaum getraut zu atmen. Der packt wirklich vom ersten Moment an und tritt dich zum Ende hin mit den Füßen weg. Ich mag das. So angenehm aussichtslos.
    Bin schon gespannt wie die Fortsetzung daran anknüpfen will.

    PS: Bist du in letzter Zeit immer im Stress? Du vergisst zuhauf Leerzeichen zwischen den Worten. Ist man gar nicht gewohnt von dir.

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    • Oh ja, ich glaube, dass die Erfahrung im Kino noch viel intensiver war. Mein Sofa zu Hause weist auch schon Stellen auf, in die ich meine Finger gegraben habe. Eine wirklich intensive Erfahrung. Beeindruckend!

      PS: Ich bin immer im Stress und schreibe meine Blogeinträge sehr effizient, dennoch finde ich die von dir genannten Stellen nicht. Hast du mal ein Beispiel parat? Ich habe schn erlebt, dass das Theme oder manche Reader Texte zerschießen…

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      • Hehe, jawohl. Und es gab soo viele Bilder, die ich mir glatt an die Wand hängen würde. Als die Soldaten und die Taskforce bei Sonnenuntergang in der Wüste… hach. Fantastisch.
        Hmm. Merkwürdig. Auf dem Smartphone in der WP-App habe ich das Problem mit den fehlenden Leerzeichen nicht. Nur am Rechner, dann aber direkt auf deiner Seite. Also nicht über den Reader. Merkwürdig. Werde die Cookies mal löschen und schauen ob es dann noch auftritt.

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      • Welchen Browser benutzt du denn? In Chrome ist mir das noch nicht aufgefallen, da sieht die Seite gut aus. Aber es beruhigt mich ja schon fast ein wenig, dass es nur ein technisches Problem ist und ich nicht plötzlich Aussetzer habe, was meine Texte angeht…😉

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  8. Ich hatte ja vor geraumer Zeit meine bedenken zum Film geäußert. Bildästhetisch durchaus sehenswert, aber die Story war mir dann doch irgendwie so Nullachtfünfzehn-mäßig angelegt. Dennoch hat auch mich der visuelle Filmrhythmus (klingt komisch, ist aber so ;)) angesprochen…

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  9. Pingback: Kritik: Sicario – filmexe

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