John Wick (2014)

Obwohl noch etliche Filme im Regal warten, habe ich heute mit „John Wick“ erstmals einen Film via Streaming geschaut. Diese Wahl war entgegen bereits geäußerter Befürchtungen eine sehr bewusste Entscheidung, da der Film ohnehin schon länger auf meiner Liste stand. Davon abgesehen verlief die Sichtung technisch reibungslos, wenngleich ich auch das Bonusmaterial zum Film vermisst habe. Und was hat Rache-Thriller sonst noch so zu bieten?

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Als ich in einer Sneakpod-Episode die Inhaltsangabe zu „John Wick“ hörte, erschien sie mir fast schon lächerlich – ein Hund als Auslöser für einen fulminanten Rachefeldzug? Tatsächlich wird diese Prämisse im Film aber glaubhaft verkauft und zeigt zugleich, dass man auf die Geschichte ohnehin nicht viel Wert legen sollte: Dieses Werk lebt von seiner Action, von den Kampfszenen und der beinahe schon comichaften Brutalität. Überhaupt scheint die von Keanu Reeves verkörperte Hauptfigur einer Comicwelt entsprungen zu sein, in der es besondere Orte mit ganz speziellen Regeln gibt. Umso überraschender, dass es sich hierbei um ein Originaldrehbuch handelt.

Die Kampfszenen sind wahrlich famos choreographiert und man erkennt sofort, dass dieser Aspekt den Regisseuren (beides erfahrene Stuntleute) am wichtigsten war. Und was soll ich sagen? Der Film funktioniert als knallharter Actioner im comichaft überzeichneten Gangstermilieu auch wunderbar! Es macht unglaublich viel Freude Keanu Reeves beim Austeilen zu treibenden Elektro-Beats zuzuschauen. Wer braucht da schon viel Handlung? Leider nur wird unser Antiheld bereits als so unbesiegbar angekündigt, dass man als Zuschauer nie am Ausgang des Films zweifelt. Dies nimmt tatsächlich Spannung und hätte geschickter gelöst werden können.

Noch eine Beobachtung am Rande: Alfie Allen spielt nahezu 1:1 seine Rolle als Theon Greyjoy aus „Game of Thrones“ nach, sprich er ist wieder der ungeliebte Sohn, der sich das Wohlwollen seines herrischen Vaters sichern möchte, dabei völlig über das Ziel hinausschießt und letztendlich für seine Taten büßen muss. Michael Nyqvist (Mikael Blomkvis, „Verblendung“) konnte ich als Oberbösewicht leider nicht so richtig ernst nehmen, dafür hat es mich gefreut Willem Dafoe und Adrianne Palicki (Tyra Collette, „Friday Night Lights“) zu sehen. Und der Hauptdarsteller? Keanu Reeves kicks ass!

Alles in allem ist „John Wick“ wunderbare Abendunterhaltung, die für gut 90 Minuten herrlich mitreißt und für grinsende Gesichter sorgt. Am Ende des Films bleibt aber nicht viel im Gedächtnis, was wohl auch der schwachen emotionalen Involvierung und der flachen Figurenzeichnung geschuldet ist. Ich würde empfehlen den Film im Doppel mit „The Raid“ oder „DREDD“ zu schauen – damit dürfte jedes Actionbedürfnis auf Jahre hin befriedigt sein: 7/10 Punkte.

38 Gedanken zu “John Wick (2014)

    • Ich sollte dich wahrlich engagieren, um meine Besprechungen zu verfassen. Du bringst es glasklar auf den Punkt – und das mit ein paar Zeilen. Also vielleicht weniger Spieltagslyrik und deutlich mehr Filmkritiklyrik?😉

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      • Das Angebot lehne ich dankend, aber gerührt ab🙂 In die Fußstapfen passe ich beileibe nicht.
        Bei John WIck hat sich so eine Zusammenfassung aber fast aufgedrängt. Vielleicht landet „Keanu haut gut zu“ aber auf dem Cover des Nachfolgers.

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      • In der Kürze liegt ja bekanntlich die Würze. Mensch, wenn es dir im Fußball-Umfeld einmal langweilig werden sollte, dann sind deine Reime hier sehr gefragt – macht sich bestimmt toll als Box-Quote!🙂

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  1. Diese Hobbit-Filme werden hier mit 8-9 Punkten durchgewunken und John Wick kriegt eine 7-Punkte-Watschn mit Kritik an Handlung und Figuren. Als ob die Zwerge Nummer 6 bis 10 in den Hobbitsen eine eigene Persönlichkeit hätten oder die Heinis aus Mad Max: Fury Road *seufz*

    Konnte die Kritik an der Handlung bzw. Motivation durch den Hund noch nie verstehen. Der Film macht ja ziemlich deutlich, dass es weniger um den Hund als um das wofür der Hund steht geht. Und Wick ist auch nicht der unbesiegbare Superheld – s. Einbruch zu Beginn oder die Konfrontation vor der Kirche, aber auch der Kampf in dem Nachtclub oder Palickis Besuch in seinem Hotelzimmer.Teils hat er es Glück zu verdanken, dass er nicht stirbt, in der Regel aber Willem Dafoe.

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    • Dass meine Bewertung der Hobbit-Trilogie sehr subjektiv und positiv gestimmt ist, sollte ja inzwischen bei jedem Leser angekommen sein. Im Gegensatz zu „John Wick“ beschäftigen mich diese Filme aber auch weit über die Sichtung hinaus (ähnlich war es übrigens mit „Mad Max: Fury Road“). „John Wick“ wird mir nicht länger im Gedächtnis bleiben, so unterhaltsam die Sichtung auch gewesen sein mag.

      Was den Hund als Motivation angeht, so habe ich ja geschrieben, dass es im Film deutlich besser funktioniert als auf dem Papier, gerade weil er ja nur ein Substitut für die verlorene Beziehung zu Wicks Frau ist. Und gerade den über Wick wachenden Willem Dafoe empfand ich als zu mächtig, da man neben den ohnehin schon überragenden Fähigkeiten des Killers auch noch ein Deus-Ex-Machina-Element im Film hatte.

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      • Zu mächtig? ZU MÄCHTIG? Das ist einer der besseren Auftragskiller, der früher auch noch mit Wick zusammengearbeitet hat, diesen also näher kennt. Und der zudem weiß, was das Ziel von Wick ist, dementsprechend simpel planen kann, nicht zuletzt, da er ja eigentlich auf Wicks Seite ist, aber von dessen Gegenspieler engagiert wird. Wie man das als Deus Ex Machina erachten kann, ist mir vollkommen schleierhaft, wir haben beide Figuren zu Beginn gesehen, die Anteilnahme der einen am Schicksal der anderen. Hinzu kommt, dass auch dieser übermächtige Charakter ähnlich wie Wick in der Folge seine Grenzen aufgezeigt bekommt.

        Unfassbar das alles😀

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      • Dem was du schreibst habe ich nichts entgegenzusetzen, doch gerade darin liegt meiner Meinung nach auch die Krux: Immer wenn es brenzlich für Wick wurde, war Marcus zur Stelle und hat die Situation gelöst – das war schon sehr Deus-Ex-Machina. Davon abgesehen habe ich den Film doch gut bewertet und ich mochte ihn auch, doch sind bei mir eben mehr als 7 Punkte nicht drin. Also ganz fassbar all das…😉

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      • Natürlich ist er immer zur Stelle: Er verfolgt sein vermeintliches Auftragsziel. Das ist so als wenn das FBI eine Terroristenzelle beobachtet und dann einschreitet, wenn es zu eskalieren droht. Da würde auch niemand von Deus Ex Machina sprechen. Ich weiß, John Wick will Person XY töten. Ich weiß, wo sich Person XY aufhält, weil mich Person XY engagiert. Ich weiß, John Wick wird wie alle Auftragskiller in dem Hotel für Auftragskiller unterkommen. Ich weiß also die meiste Zeit über, wo sich John Wick aufhält – ich sehe da absolut null Deus Ex Machina.
        Wenn in Mittelerde immer dann, wenn man sie grad braucht die Adler plötzlich vorbeischauen, das ist Deus Ex Machina. Die fliegen aber nicht die ganze Zeit wie die Geier über den Figuren, sondern werden just in dem Moment gerufen, wo man sie braucht. Und sind dann wieder weg.

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      • Für mich ist das genau das gleiche Prinzip, nur dass eben jeder von uns die Argumente hervorholt, um den Film zu verteidigen, der ihm besser gefällt – wobei ich ja „John Wick“ keineswegs schlecht fand, mich jedoch diese immer anwesende, fast schon gottgleiche Präsenz Marcus‘ deutlich mehr gestört hat, als die Adler in „Der Hobbit“. Diese musste Gandalf schließlich immer erst rufen, dann hat es gedauert bis sie kamen und sind irgendwann – aus welchen Gründen auch immer – wieder abgeflogen. Marcus war dagegen immer da und hat immer eingegriffen sobald es brenzlich für John Wick wurde. Da hat sich für mich nie das Gefühl einer wirklichen Gefahr eingestellt. Ist für mich aber nur ein kleinerer negativer Aspekt, aber wenn wir schon einmal so schön am diskutieren sind…😉

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      • Naja, Marcus greift ohne jegliches Zutun Wicks ein – und zwar immer genau in dem Moment, wenn es wirklich brenzlich wird. Da spielen weder Entfernungen oder sonstwas eine Rolle. Das hat für mich wirklich etwas von Divine Intervention – auf jeden Fall schön zu sehen, dass du einen Film mal so richtig verteidigt…🙂

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  2. „John Wick“ habe ich schon vor längerer Zeit im Flugzeug gesehen. Es gab in den letzten Jahren aber so viele Rache-Filme (allein Liam Neeson hat gefühlt ein Dutzend im Programm), dass ich die alle gar nicht mehr auseinanderhalten kann. In diesem Subgenre fand ich übrigens „The Equalizer“ mit Denzel Wahington deutlich gelungener als „John Wick“.

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    • Stimmt, das Rache-Subgenre hat wieder deutlich an Popularität gewonnen. „The Equalizer“ werde ich mir einmal vormerken. Filme dieser Art kann man als harte Actioner gut schauen. Bei „John Wick“ hat mir vor allem die klassische Inszenierung der Kampfszenen gefallen.

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  6. Bei dem Film ist mir in Bezug auf meinen Filmgeschmack ein Licht aufgegangen: Wenn Action, dann bitte keine riesen Explosionen, sondern Martial-Arts oder Gunfights. WICK kombiniert das ganz wunderbar – in Einschätzung und Wertung decken wir uns🙂

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  8. Pingback: Review: John Wick (Film) | Medienjournal

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