Shameless (US) – Season 1

Über die US-Fassung von „Shameless – Season 1“ habe ich in den letzten Jahren schon viel Gutes gelesen. So viel Gutes, dass ich mir inzwischen schon die ersten drei Staffeln zugelegt habe, obwohl ich mir nicht ganz sicher war, dass diese Serie tatsächlich auf meiner Wellenlinie liegt. Nun habe ich mit der Sichtung begonnen und kann nur in den allgemeinen Begeisterungstaumel einstimmen. Die Gallaghers sind wirklich eine ganz besondere Familie…

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Mit US-Remakes von UK-Erfolgsserien ist das so eine Sache. Oft werden diese komplett an die Wand gefahren und verschwinden noch innerhalb ihres ersten Jahres von der Bildfläche – oder kann sich jemand von euch noch an die Remakes von „Coupling“ oder „The IT Crowd“ erinnern? Eben. Andere Remakes bzw. US-Versionen, wie  zum Beispiel „The Office“, konnten dagegen große Erfolge verbuchen. Vermutlich auch, weil sie sich über ihre Laufzeit von der UK-Version emanzipiert haben. In diese Kategorie fällt wohl auch „Shameless“, was sich spätestens mit der zweiten Staffel komplett vom UK-Original lösen soll. Ich kann dies jedoch (noch) nicht beurteilen, zumal ich auch die UK-Fassung, von ein paar Ausschnitten auf YouTube einmal angesehen, nicht gesehen habe.

Wenn man unvoreingenommen an die Serie herangeht, dann erlebt man doch ein paar Überraschungen. So unverblümt und schamlos werden in anderen Serien wohl selten politisch unkorrekte Themen verarbeitet. Einzig „It’s Always Sunny in Philadelphia“ würde mir hier einfallen, wobei „Shameless“ was die Charaktere angeht doch ein wenig komplexer ist: Die Gallaghers bewegen sich am sozialen Rand, den wir in unserer Gesellschaft nur zu gerne ignorieren. Anders als man es erwarten würde, zieht die Serie daraus nicht nur Drama, sondern vor allem viel Humor. Die Autoren gehen dabei komplett mitleidslos mit ihren Charakteren um und schwenken oft in einem Bruchteil von Sekunden von Mitleid zu Abscheu, wobei die Sympathie mit den Gallaghers meist die Oberhand behält. Zumindest mit den Kindern, denn Familienoberhaupt Frank, kongenial gespielt von William H. Macy (bekannt aus „Fargo“ oder „Magnolia“), ist einer der selbstzerstörerischsten und narzisstischsten Charaktere, die mir jemals untergekommen sind – und dennoch schaut man ihm sehr gerne zu.

Es wäre leicht gewesen, die Charaktere der Lächerlichkeit Preis zu geben oder sie aus der Distanz belächeln zu lassen, doch man ist ganz nahe bei ihnen. Ihre Probleme werden greifbar und selbst aus den absurdesten Situationen entwickelt sich glaubwürdiges Drama. Da es sich um eine Pay-TV-Serie handelt, wird auch mit Sex und Gewalt nicht gegeizt, was glücklicherweise nicht aufgesetzt wirkt, sondern gut in diese Welt passt. Ebenfalls perfekt gewählt wurde der Soundtrack, der sich größtenteils aus Alternative Rock von Punk bis Indie-Ballade zusammensetzt. Wahrlich großartig. Hierzulande unbekanntere Bands wechseln sich mit großen Namen wie Jimmy Eat World (mit „Littlething“ aus INVENTED in der letzten Montage der Staffel) ab, was für eine ganz besondere Atmosphäre sorgt.

Aufgrund der Thematik hatte ich im schlimmsten Fall ein selbstzweckhaftes Sozial-Drama erwartet, das die falschen Töne trifft. Tatsächlich ist „Shameless“ eine wunderbar entfesselte Familienserie, die nah an ihren Charakteren dran ist und uns Zuschauer ohne jegliche Distanz involviert. Die Handlungsstränge sind ungewöhnlich, die Autoren nehmen kein Blatt vor dem Mund – und über kurz oder lang sind einem die Gallaghers einfach ans Herz gewachsen. Ich freue mich schon extrem auf die zweite Staffel: 9/10 (8.8) Punkte.

40 Gedanken zu “Shameless (US) – Season 1

    • Gerne doch. Auch an mir ist die Serie lange vorbeigegangen, doch beständige Empfehlungen von Bloggern in meinem direkten Umfeld haben mich dann doch dazu gebracht, einmal reinzuschauen. Und was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt!🙂

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  1. Klingt echt toll. ich hab SHAMELESS mal (ohne die Info, dass es eine US- und eine UK-Version gibt) empfohlen bekommen, bin über Netflix bei der UK-Version gelandet und fand es UNERTRÄGLICH! Ich habe kaum mehr als 10 Minuten überstanden. Aber über die US-Fassung lese ich vermehrt gutes. Mal sehen wo es die gibt😉

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    • Was fandest du denn an der UK-Version unerträglich? Zumindest die ersten Folgen sind inhaltlich ziemlich identisch und bei den Schauspielern kann ja u.a. James McAvoy auftrumpfen. Sieht ein wenig günstiger gedreht aus, aber sonst ist da wohl noch nicht viel Unterschied (entwickelt sich erst). Bin gespannt, ob dir die US-Fassung mehr zusagt!🙂

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      • Hmm, genau das hatte ich eben auch befürchtet, doch hat sich dieses Bild schnell wieder relativiert, wenngleich die erste Episode vielleicht schon ein wenig ein Schock war. Da würde mich echt einmal interessieren, wie du die US-Fassung im Vergleich einschätzt…

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  2. Yes, ich wusste, dass dir „Shameless“ gefallen würde! Eine richtig gute Serie🙂 Und wie du schon sagst: Sie schafft es, dass man ganz nah bei den Charakteren ist und mit ihnen mitfühlt, anstatt sie zu belächeln.
    Da fällt mir ein, dass ich noch die aktuellste Staffel zu Ende schauen muss..😀

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    • Wie viele Staffeln gibt es inzwischen eigentlich? Die UK-Fassung hatte es ja auf 11 Staffeln gebracht, welche aber wohl auch nur weniger Episoden hatten. Auf DVD ist von der US-Fassung die vierte in Deutschland erschienen. Wird das eigentlich auf Netflix o.ä. gestreamt? Weil ja Pay-TV mit Showtime?

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  3. Willkommen in der Riege der Gallagher-Freunde! Da kriege ich direkt Lust, mir endlich die zweite Staffel reinzuziehen. Die erste konnte ich mir damals glaube ich bei amazon.co.uk billig als Blu-ray schießen und war sehr angetan. Anders als bei „It’s always sunny…“, wo ich bis heute nicht mit den Charakteren klar komme, hat mir die Familienbande (doppeldeutig) in „Shameless“ sofort gefallen. Ich rätsele selbst darüber, weshalb ich nicht gleich weitergeguckt habe, da muss mir entweder die Zeit abhanden- oder eine andere Serie dazwischengekommen sein.

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    • Ja, ich erinnere dunkel, dass du das mit der UK-Blu-ray erwähnt hattest. Du hast nicht weitergeschaut? Na, dann wird es aber Zeit! Ich wollt mir übrigens auch erst die Blu-rays holen, doch dann gab es die ersten drei DVD-Staffeln jeweils für ca. 8-10 Euro, da war es mir den Aufpreis doch nicht wert. Rückblickend fast schade.

      Was den Vergleich zu „It’s Always Sunny in Philadelphia“ angeht, so sehe ich das auch so. Zwar mag ich die Serie sehr, doch sind die Charaktere eben klischeehafte Abziehbilder ohne Tiefe. Kein Vergleich zu den Gallaghers.

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  5. Shameless Season 1 war für mich eine der besten Serienstaffeln der letzten Jahre, das war damals schon ein ziemlicher Knaller, als ich sie gesehen hab. Bin auch bis heute dran geblieben und finde die Serie nach wie vor ziemlich stark. Jedes mal schade, dass nach 10 Folgen immer schon wieder Schluss ist, aber andererseits ist’s vielleicht auch besser, dass sie nicht zu sehr ausgewalzt wird. Freue mich schon auf die nächste Season.

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    • Damals klingt so lange her: Hast du das Original oder die US-Fassung gesehen? Ich frage auch, weil das Remake ja 12 Episoden pro Staffel hat und nicht nur 10. Übrigens glaube ich, dass Serien durchaus von weniger Episoden pro Staffel profitieren. Über 22 Episoden lässt sich meist nicht ein durchgängig hohes Niveau halten.

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      • Oha, du hast recht, es sind 12 Folgen pro Season beim US-Remake. Das UK-Original kenne ich dagegen gar nicht. Mittlerweile gibt es ja 5 Staffeln des Remakes, was schon eine ziemlich lange Zeit für eine Serie ist. Ich bin im späten Frühjahr 2011 auf das US-Remake aufmerksam geworden und habe mir die Folgen damals fast in einem Rutsch reingezogen, so spannend fand ich die Serie gemacht. 2011 ist dann doch schon eine lange Zeit her, so viel passiert seitdem.🙂

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      • Da bist du ja schon recht schnell auf den „Shameless“-Zug aufgesprungen, da die erste Staffel ja auch erst 2011 veröffentlicht wurde. Ich stehe ja noch ganz am Anfang und musste mich erst überzeugen lassen. Nun bin ich aber auch hooked und freue mich schon sehr auf weitere Abenteuer mit den Gallaghers…🙂

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    • Ja, das kann ich verstehen. Da ich allerdings bereits mit der US-Version von „The Office“ viel Spaß hatte und „Shameless“ was die Qualität und die Eigenständigkeit (nach der ersten Staffel) angeht ja auf ähnlichem Niveau spielen soll, habe ich zugegriffen – und siehe da: ein voller Erfolg! Inzwischen kann ich mir auch keine anderen Schauspieler mehr in der Rolle vorstellen. Dennoch schaue ich vielleicht irgendwann noch genauer in die UK-Fassung rein.

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