Waterworld (1995)

Nach einer kurzen, aber intensiven Arbeitswoche war nur noch wenig Energie für eine Filmsichtung vorhanden. Doch da ich in den frühen Morgenstunden meine Schwiegereltern vom Flughafen abholen werde, wollte die Zeit sinnvoll gefüllt werden. Meine Wahl fiel auf „Waterworld“, mit dem ich schöne Erinnerungen an lange Videoabende bzw. -nächte verbinde. Meist hatte der Film den letzten Programmplatz und so habe ich ihn häufig nur im Halbschlaf wahrgenommen. Sollten ich den gefloppten Endzeitstreifen deshalb besser in Erinnerung haben, als er eigentlich ist?

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Ich mag Endzeitfilme. Sehr sogar. Ganz egal ob die klassische „Mad Max“-Trilogie (ja, sogar den oft verschmähten „Mad Max 3: Jenseits der Donnerkuppel“), den apokalyptischen Drachen-Actioner „Die Herrschaft des Feuers“ oder Neil Marshalls wilden Genremix „Doomsday“ – selbst mangelnde Orginalität kann für mich selten den Unterhaltungswert dämpfen. Wenn dann noch ein zweites Element ins Spiel kommt, das ich in Filme immer gerne sehe, dann gibt es kein Halten mehr: Die Kombination aus Wasser als Hauptschauplatz und Endzeitfilm versprach großes Kino. Wie wir inzwischen wissen, ist „Waterworld“ natürlich alles andere als das, was man unter großem Kino versteht. Als eine der größten Flops in die Kinogeschichte eingegangen, ist die verstümmelte Kinofassung (siehe Schnittbericht) leider inhaltlich oft unzureichend. Dennoch mag ich den Film aufgrund seines Settings und seiner übertriebenen Action sehr gerne.

Nachdem die beiden Kevins – nämlich Kevin Reynolds und Kevin Costner – mit „Robin Hood: König der Diebe“ bereits einen großen Erfolg feiern durften, versprach man sich von der gleichen Kombination wohl einen ähnlichen Kassenschlager. Warum es nicht geklappt hat, lässt sich wohl recht gut aus der verkorksten Produktionsgeschichte herauslesen. Dennoch hat der Film einiges zu bieten: Angefangen bei den großartigen handgemachten Sets, über die dynamisch wirkenden Aufnahmen auf dem Wasser bis hin zur eigentlichen Prämisse. Irgendwie fühle ich mich in dieser 90er Filmwelt schon verdammt wohl. So manche Dialoge wirken allerdings sehr gewollt und die Motivation einzelner Charaktere wird auch mit der Brechstange erklärt, aber sei es drum: Wenn man will, dann kann man viel Spaß mit „Waterworld“ haben.

Auch wenn es rückblickend verständlich ist, dass das Vorhaben der beiden Kevins gefloppt ist, so sollte dies interessierte Genrefreunde nicht davon abhalten „Waterworld“ einmal zu besuchen. Schon allein Dennis Hopper in bester „The Road Warrior“-Manier chargieren zu sehen, ist eine große Freude. Nach der Sichtung fühle ich mich nun ähnlich, wie an einem der längst vergangenen Videoabende. Ein gutes Gefühl. Dafür bin ich dem Film dankbar: 7/10 Punkte.

12 Gedanken zu “Waterworld (1995)

  1. Ich mag den Film auch. Manchmal reicht auch die Atmosphäre, die ein Film durch seine Prämisse und eine lose Aneinanderreihung von erinnerungswürdigen Szenen erzeugt, um ihn für mich persönlich aus dem Bereich „Flop“ zu retten. Und denke immer daran: Er hat keinen Namen, damit der Tod ihn nicht finden kann!😉

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    • Ja, da hast du vollkommen recht. Zudem hilft es immer sehr, wenn man mit einem Film aufgewachsen ist bzw. ihn zu einer prägenden Zeit in seinem Leben kennengelernt hat. Außerdem bietet er tatsächlich erstaunlich viele zitierfähige Szenen, das stimmt!😀

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    • Ja, der lief nur mal im US-TV und ist dort auch auf DVD erschienen – allerdings ist auch dieser Cut nicht vollständig und im Vergleich zur Kinofassung in den Gewaltszenen gekürzt. Echt schade. Ich würde mich über eine komplette Fassung in neuer HD-Abtastung wirklich freuen!

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  2. Oh. den mochte ich sehr. Als ich den das erste Mal gesehen habe, war ich wohl noch Kind oder Teen und war später total verwundert, dass der so einen schlechten Ruf hat. Wie es der Zufall so will lief der vor einer Weile mal wieder im TV und ich habe den nochmal gesichtet … und ich finde ihn eigentlich immer noch sehr gelungen. Und das Szenario ist zu Zeiten des Treibhauseffekts und der schmelzenden Arktis wohl auch gar nicht so weit hergeholt.

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    • Ja, da merkt man mal wieder wie sehr die eigene Meinung auch fremdbestimmt ist. Man sollte sich wahrlich nicht von Kritikern vorschreiben lassen, welche Filme man mögen darf bzw. sollte. Mir ist auch bewusst, dass der Film durchaus so seine Probleme hat, doch mag ich seine Prämisse einfach sehr und finde ihn durchaus originell. Einspielergebnis ist eben nicht alles, wenngleich ich dem Film auch gerne mehr gegönnt hätte…

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