Die Mächte des Wahnsinns – OT: In the Mouth of Madness (1994)

Nachdem wir heute viel zu spät auf die entspannende Couch gekommen sind, musste ich den Freitagsfilm nach seiner Laufzeit auswählen. Nach einer Woche mit maximal fünf Stunden Schlaf pro Nacht ist die Aufmerksamkeit eben ein wenig eingeschränkt. Somit fiel die Wahl auf John Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“, der mit 95 Minuten erfreulich knackig erzählt ist und aufgrund seiner Thematik zudem nicht zum vorzeitigen Einschlafen verleitet. Zumindest auf einen Teil der Zuschauer traf dies auch zu…

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Meine letzte Sichtung von „In the Mouth of Madness“ liegt bestimmt 10 Jahre zurück. Damals hatte ich ein paar TV-Ausstrahlungen mitgenommen und konnte mich somit noch recht gut an die surreale Atmosphäre erinnern. Da Carpenters Filme nicht alle wirklich gut gealtert sind, war ich gespannt welche Wirkung dieser kleine Horrorstreifen mit H. P. Lovecraft-Anleihen wohl heute auf mich haben würde. Auch wenn der Film deutlich angestaubter wirkt, als in meiner Erinnerung, so wird man doch recht schnell in die Geschichte hineingezogen. Man darf auch nicht vergessen, dass inzwischen bereits über 20 Jahre vergangen sind – und dafür schlägt sich das Werk aus Carpenters späterer Schaffensphase erstaunlich gut.

Der titelgebende Wahnsinn hält sanft Einzug in das Bewusstsein des von Sam Neill mitreißend gespielten John Trent. Die Reise nach Hobb’s End hat mich tatsächlich ein wenig an „Silent Hill“ erinnert, der bzw. dessen Videospielvorlage durchaus Anleihen an Carpenters Art der Inszenierung genommen haben könnte. Auch wenn viele Schockeffekte ein wenig plump daherkommen, so lebt „Die Mächte des Wahnsinns“ doch hauptsächlich von seiner traumhaften Atmosphäre, die mir teils wirklich einen Schauer über den Rücken laufen ließ.

Insgesamt lieferte John Carpenter mit „In the Mouth of Madness“ einen sehr atmosphärischen Horrorfilm ab, den man sich auch heute noch gut ansehen kann. Die Geschichte ist dann am besten, wenn man durch die Augen der Hauptfigur versucht sich in dieser unwirklichen Welt zurechtzufinden. Im letzten Drittel schwächelt der Film ein wenig, doch nimmt das nur wenig von seiner Sogwirkung. Wohl der letzte wirklich sehenswerte Film John Carpenters – sieht man einmal vom 1998er „Vampire“ ab, dem ich wohl als einziger etwas abgewinnen kann: 7/10 Punkte.

21 Gedanken zu “Die Mächte des Wahnsinns – OT: In the Mouth of Madness (1994)

  1. Ich bin ja großer Fan von diesem Carpenter Werk. In meinen Augen sein letzter wirklich super Film. „Vampires“ mag ich allerdings auch, wobei ich den schon wirklich lange nicht mehr gesehen habe. „In the Mouth of Madness“ gucke ich, wenn man es sagen kann, recht regelmäßig.

    Besonders die Lovecraft Anleihen sind einfach stark. Einer der besten Lovecraft Filme die kein Lovecraft Film sind möchte man fast meinen.
    Und dann ist da ja noch der Soundtrack, gerade das Main Theme hat es mir da sehr angetan.

    Und Sam Neill. Dieser Film hier und „Dead Clam“ haben mich damals zum Sam Neill Fan gemacht. Sucht sich doch immer wieder spannende Rollen aus.

    Apropo Carpenter Soundtracks. Weiß nicht ob du auch ein Fan bist seiner Synthesizer Nummern, aber sein neustes Album ist ja auch sehr fein: http://www.npr.org/2015/01/25/379336431/first-listen-john-carpenter-lost-themes

    Schade das der Film bei dir nicht mehr so punkten konnte. Ich hoffe einmal mal es war der Müdigkeit geschuldet und in ein paar Jahren startet das Teil wieder voll durch😉

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    • Ich hatte früher eine recht intensive Zeit mit Carpenter, doch inzwischen schwingt da einfach auch viel Nostalgie mit. „Ghosts of Mars“ hat viel kaputt gemacht und selbst „The Fog“ konnte mich bei der letzten Sichtung nicht mehr 100%ig überzeugen. Dennoch mag ich die alten Filme auch heute noch sehr.

      Seine Soundtracks finde ich teils großartig, allerdings hat gerade die musikalische Untermalung „In the Mouth of Madness“ unglaublich stark in den 90ern verortet. Ist ja auch okay so, doch weniger Schrammelrock und der Film würde heute viel frischer wirken. Macht aber natürlich auch viel von der Atmosphäre aus, ganz klar.

      Ich hoffe es ist nicht so rübergekommen als würde ich den Film schlecht finden. Mit 7 Punkten halte ich ihn für einen wirklich guten Horrorfilm, der eben auch ein paar Schwächen besitzt, dabei aber stets unterhaltsam bleibt.

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      • „The Fog“ warte ich immer noch auf einen guten Preis der US-Blu-ray. Will den unbedingt nochmal sehen aber auf DVD nicht mehr. Muss ich mir endlich mal anschaffen. Kann mir auch da schwer vorstellen das der nicht mehr so zieht aber wenn dann wohl am ehesten bei diesem „Gruselfilm“.
        Wachsen tut u.a. vor allem „Halloween“ immer weiter, unglaublich dieses Filmchen.

        Nein, nein, fand jetzt nicht das du ihn schlecht bewertet hast oder zu schlecht, aber habe den immer so als Carpenter-Fan-Pleaser gesehen, daher hatte ich dann jetzt etwas mehr erwartet😉

        Und ja, „Schrammelrock“ kann ich auf jeden Fall bestätigen und ist auch sehr 90s, aber ich steh da voll drauf und drüber irgendwie.😀

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      • „The Fog“ hat in der ersten Hälfte inkl. Atmosphäre und aufziehendem Nebel noch recht gut funktioniert, doch als dann die Geisterpiraten mit leuchtenden Augen kamen, war es irgendwie vorbei. „Halloween“ ist immer noch klasse und dem grottigen Remake meilenweit überlegen!

        Schrammelrock sollte nun auch nicht abwertend klingen, nur eben typisch für diese Zeit. Immerhin sehr atmosphärisch. Leider hatte sich Carpenter was Soundtracks angeht auch mit „Ghosts of Mars“ komplett vergriffen. Ein Desaster auf jeder Ebene.

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  2. Ja doch, ein wenig eingestaubt wirkt er mittlerweile schon, das musste ich auch zu meinem Entsetzen feststellen, wobei das auch schon wieder einige Jahre zurückliegt (sonst hätte ich ja schließlich drüber gebloggt), aber mir geht es da wie C4rter, mitunter der Film war es, der mich zum Sam Neill-Fan gemacht hat und Lovecraft fand ich ja sowieso schon immer klasse, weshalb mich die Anleihen hier auch besonders begeistert haben.

    ‚Vampires‘ fand ich auch nicht schlecht, wie ich mich zu erinnern meine, aber das verwundert ja kaum bei „unserem“ Filmgeschmack, von daher. Aber ohne einen der beiden Filme in den letzten Jahren gesehen zu haben, kann ich doch behaupten, dass mir ‚Die Mächte des Wahnsinns‘ nun einmal noch deutlich besser gefällt. Hach, und wie schon bei Facebook geschrieben, denke ich an Sam Neill, denke ich an ‚Event Horizon‘ und dann daran, mir den doch auch mal wieder anzusehen.

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    • Was „Die Mächte des Wahnsinns“ angeht, kann ich übrigens auch nur die Blu-ray empfehlen, die für das Alter und das Genre wirklich einiges rausholt. Sehr schön anzusehen! Bei mir hat übrigens „Jurassic Park“ Sam Neill auf mein Radar gebracht. Lovecraft habe ich dagegen nie gelesen, mich aber ein wenig mit ihm beschäftigt (im Zuge der Auseinandersetzung mit Guillermo del Toro).

      „Event Horizon“ gefällt mir übrigens auch mit jeder Sichtung besser, doch für den Film muss ich gewappnet sein, da ich ihn unglaublich gruselig finde. Dabei hatte ich ihn bei der Erstsichtung im Kino eher lächerlich gefunden. Schon interessant, wie sich manche Filme so über die Zeit entwickeln…😉

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      • Ja, Lovecraft habe ich einige Sachen gelesen und fand es immer spannend wenn der in Filmen aufgegriffen wurde, dazu haben mich beispielsweise Brettspiele wie ‚Arkham Horror‘ oder ‚Die Villen des Wahnsinns‘ immer wieder mit ihm in Berührung gebracht.

        Ich weiß noch, dass ich sowohl ‚Die Mächte des Wahnsinns‘ als auch ‚Event Horizon‘ seinerzeit, „damals“ – ich meine es war bei VOX und sicherlich übelst gekürzt – beide extrem gruselig fand, aber eine Blu-ray-Neuanschaffung ist schon lange in Planung. Mal schauen, mal sehen, bin ja auch nicht so der Horrorfilm-Fan und schiele immer auf die Restlaufzeit, damit ich mir einreden kann, dass ich es ja schon in xy Minuten überstanden habe😉

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      • Ich kenne Lovecraft nur von einem PC-Adventure der 90er Jahre. Der Titel war irgend etwas mit Cthulhu. Von der Atmosphäre her auch sehr stark, doch schon ewig her und fast vergessen. Welches Lovecraft-Buch könntest du denn zum Einstieg empfehlen?

        Was Horrorfilme angeht, so kann ich mir diese auch sehr schlecht alleine anschauen, da ich zu empfänglich dafür bin. Es ist auch immer eine Mischung aus Qual und Freude. Dennoch schaue ich das Genre sehr gerne, da es mich auch immer irgendwie fordert.

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  3. Oh ja, „Event Horizon“, auch so ein Sam Neill Schmankerl. Sein Schauspiel da ist auch einfach herrlichst.
    Aber keine Sorge, geschnitten war da nichts. Das sind ja beides lockere 16er Kandidaten.
    Fehlt mir leider auch immer noch auf Blu-ray. Muss auch mal angeschafft werden.

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    • Ich habe „Event Horizon“ noch in der DVD-Edition in einem Plastikteil, das dem Raumschiff nachempfunden ist, hier stehen. Da sind auch einige der ominösen geschnittenen Szenen in grottiger Qualität enthalten. Wirklich schade, dass das Originalfilmmaterial verschüttet gegangen ist.

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      • Haha, ja genau die Version habe ich auch, in dem Plastikteil.
        Darum habe ich auch bisher kein Blu-ray Update gemacht. Wobei man die DVD wohl einfach tauschen könnte und die Hülle behalten kann. Die ominösen Szenen sind wirklich in übler Qualität. Ich vermisse die aber auch nicht wirklich, wobei eine Full Gore Variante des Films definitiv mal nett wäre zu sehen.

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      • Ich weiß noch was es damals für ein Zinnober um diese ominöse Fassung gemacht wurde – und dann wurde der Rohschnitt in irgendeiner Salzmine gefunden und war schon so zerstört, dass man ihn nicht mehr rekonstruieren konnte. Finde ich einerseits schade, aber andererseits hast du Recht und der Film funktioniert auch so.

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  4. „Call of Cthulhu: Dark Corners of the Earth“ heiß das Spiel.
    Ja das war auch mein Einsteig zu Lovecraft (neben den „Re-Animator“ Filmen).

    Der Film „Dagon“ folgt ebenfalls der Story aus „Dark Corners of the Earth“. Es ist da eine Zusammenführung der Geschichte „The Shadow over Innsmouth“ und „Dagon“. Trotz der teilweise etwas seltsam anmutenden Inszenierung dennoch zu empfehlen.

    „Dark Corners…“, also das Spiel, folgt mehr der „Shadow over Innsmouth“ Geschichte. Ich finde besonders diese Geschichte sehr spannend und das Grundthema wurde noch öfter aufgegriffen, u.a. auch für „Resident Evil 4“ (das Spiel).

    Da ich kein Bücherfreund bin (Schande über mein Haupt) habe ich nie was von Lovecraft gelesen sondern mich nur mit Spielen und Filmen der Faszination angenähert.

    PS: Wie antworte ich eigentlich auf den dritten Beitrag einer Kommentar-Abfolge? Ich habe da keinen „Antwort“ Knopf mehr auf der Ebene. Also sowas wie du bei „bullion schreibt: Januar 31, 2015 um 12:20“ kann ich nicht machen.

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    • Hmm, nein das war es nicht. Ich habe jetzt selbst noch einmal recherchiert und es war „Call of Cthulhu: Shadow of the Comet“, ein Grafik-Adventure, das recht klassisch war und lustigerweise aus dem gleichen Jahr stammt, wie Carpenters Film.

      Die ganzen anderen Lovecraft-Filme („Re-Animator“, „Dagon“ usw.) habe ich noch überhaupt nicht gesehen. Dafür habe ich „Resident Evil 4 “ gespielt, das ja tatsächlich eine ähnliche Atmosphäre hatte, speziell zu Beginn.

      Um direkt auf Kommentare zu Antworten, die weiter unten in der dritten Hierarchie-Ebene stehen, brauchst du, glaube ich, einen WordPress-Account und musst die zugehörige Kommentarfunktion nutzen. Notfalls einfach einen neuen Kommentar aufmachen und ihn inhaltlich einordnen…🙂

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      • Ach, ja gut, hätte mir eigentlich auffallen müssen da du 90er Jahre geschrieben hast, Dark Corners ist ja von 2005.😉

        „Call of Cthulhu – Shadow of the Comet“ sieht aber auch sehr interessant aus. Bietet sich auf jeden Fall als Adventure an der Stoff.
        Im Let’s Play auf Youtube sehe ich auch wieder typische Zutaten wie Hotel, Hotelzimmer und ein Geschäft das mich sehr an einen Store aus Dark Corners erinnert.

        Die Einflüsse von Lovecraft im Re-Animator Film zu finden ist schwierig, wobei ich halt das Buch nicht kenne, aber so generell, gemessen an den anderen Games und Filmen, hätte ich den nie zu Lovecraft zugeordnet. Aber da mag ich auch daneben liegen.

        Dann muss ich wohl mal einen Account machen.

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      • Ja, das Adventure habe ich früher recht gerne gespielt. War, glaube ich mich zumindest zu erinnern, komplett mit Sprachausgabe versehen und dadurch sehr atmosphärisch. Ist aber eben auch schon 20 Jahre her…😉

        „Re-Animator“ ist einer dieser Genreklassiker, die ich irgendwie nie gesehen habe. Liegt natürlich auch an den früher schwer zugänglichen indizierten Medien – und heute ist das Interesse nicht mehr so da.

        Ja, ein WordPress-Account kann nicht schaden, evtl. kannst du auch immer den vorherigen Antwort-Button nutzen. Gibt ja effektiv nur 3 Ebenen.

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  5. Pingback: Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (02-02-15)

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