Total Recall: Die totale Erinnerung (1990)

Die Frau ist außer Haus, die Kinder schlafen, draußen tobt ein unglaublicher Sturm. Nachdem mir John Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“ bereits während der ersten fünf Minuten zu unheimlich war, habe ich mich mit „Total Recall: Die totale Erinnerung“ für einen längst überfälligen Klassiker entschieden. Nach unzähligen Sichtungen der geschnittenen TV-Version, liegt selbst die letzte Sichtung der damals noch indizierten DVD-Fassung bestimmt 10 Jahre zurück. Wie schlägt sich der Film heute nach all der Zeit?

total_recall_1990

Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte ich mir Len Wisemans 2012er Verfilmung der Philip K. Dick-Geschichte angeschaut. Diese bot komplett generische und glattgebügelte Sci-Fi-Action, welche man bereits dutzendfach besser gesehen hatte. Gerade in Anbetracht dieser Tatsache ist es aus heutiger Sicht umso erstaunlicher wie roh, ungeschliffen und mitreißend Paul Verhoeven seine Version vor 25 Jahren inszeniert hat. Auch wenn so mancher Effekt aus heutiger Sicht ein wenig angestaubt wirken mag, so funktionieren die echten Sets und Miniaturen doch ungleich besser, als die komplett digitalen Welten der Neuverfilmung – so gut diese auch aussehen mögen. Nach 5 bis 10 Minuten hatte ich mich an den Look der späten 80er bzw. frühen 90er gewöhnt und wurde wieder von der Geschichte mitgerissen.

Auch wenn ich im Vorfeld dachte, mich nicht mehr an jedes Detail erinnern zu können, so hatten sich doch unglaublich viele Bilder in mein filmisches Gedächtnis eingebrannt. Beinahe jede Szene hat mindestens eine ikonografische Einstellung zu bieten, die sich aus der Popkultur nicht mehr wegdenken lässt. Hinzu kommen unzählige Oneliner (z.B. „Consider this a divorce!“) und eine erstaunlich vielschichtige Handlung. Dabei nimmt sich der Film nicht komplett ernst, rutscht aber auch nicht in platte 80er Jahre Action ab. Paul Verhoeven trifft in „Total Recall“ stets den richtigen Ton und schuf somit einen der ultimativen Unterhaltungsfilme der 80er/90er Jahre.

Was soll ich sagen? „Total Recall“ funktioniert heute noch genauso gut wie damals. Ich beineide nur die heutige Jugend, die den inzwischen mit FSK 16-Freigabe versehenen Film einfach im Supermarkt mitnehmen können, während wir damals die Videotheken nach der ungeschnittenen Fassung abgrasen mussten. Aber vielleicht macht das die Filme dieser Ära heute auch so besonders. Für mich zweifellos einer der besten, wenn nicht sogar der beste Schwarzenegger-Film und auch im Werk Verhoevens ganz vorne mit dabei: 9/10 Punkte.

35 Gedanken zu “Total Recall: Die totale Erinnerung (1990)

  1. Ich habe zuerst auch eine TV- oder Video-Fassung gesehen, weiß nicht mehr genau, aber ich will darin gar nicht den Grund dafür suchen, daß Total Recall zunächst nicht so hoch in meiner Gunst stand wie heute. Vermutlich war es einfach zu verwirrend für mich und ich hätte etwas geradlinigeres von einem Schwarzenegger-Film erwartet. Genau das ist schließlich aber zur Qualität geworden und mit den Jahren habe ich Total Recall einfach abgöttisch zu lieben gelernt. Gerade auch was die Effekte angeht, konnte zu dieser Zeit aus dem Vollen geschöpft werden – die Technik war auf einem nie geahnten Höhepunkt. Ich verstehe kein Stück, wie man sich dem auch nur im Ansatz verschließen wollte, am besten stattdessen nur lahme Computertricks zu sehen bekommen will.

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    • Auch für ist die etwas komplexere Handlung der größte Pluspunkt des Films, das somit die bekannte und gut funktionierende Arnie-Oneliner-Action mit einer wunderbaren Sci-Fi-Geschichte kombiniert wird – und das Ganze eben im fantastischen Verhoeven-Stil der 80er/90er Jahre. Die imposante Tricktechnik trägt natürlich ihren Teil dazu bei, dass diese ursprüngliche „Total Recall“-Verfilmung nahezu zeitlos ist. Gegen ein wenig gut gemachtes CGI (z.B. „Jurassic Park“) habe ich ja nichts, doch inzwischen wird das zu oft einfach übertrieben.

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  2. Finde das Remake nicht so schlecht wie die meisten, aber der hier hat natürlich ganz klar und um Welten die Nase vorn!

    Was du schreibst, trofft auf den Punkt: Ständig kommen prägnante und großartige Szenen (“You are not You. You are me. No shit!“). Einfach ein sehr humorvoller Klassiker!

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    • Genau richtig! Der Humor macht es meiner Meinung nach auch aus. In der Kombination einfach unschlagbar. Leider werden solche Filme heute kaum noch gemacht. Da muss es immer tragisch und todernst zugehen – oder driftet eben gleich in totale Albernheit ab.

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  3. Pingback: Media Monday #185 | Tonight is gonna be a large one.

  4. Ein absoluter Klassiker und auch meiner Meinung nach einer der besten Filme von Arnie. Story, Schauspieler, Setting, Humor alles in einer perfekten Mischung und daher ein Film für die Ewigkeiten, an dem kein computeranimiertes Remake nur ansatzweise rütteln kann.

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    • Ja, definitiv ein Klassiker! Zusammen mit den ersten beiden „Terminator“-Filmen und „True Lies“ wohl auch mein Arnie-Liebling. Vom Remake wird dagegen in ein paar Jahren niemand mehr reden. Gar kein Vergleich!

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