Iron Sky (2012)

Wenn man sich in den letzten Jahren auch nur am Rande mit Film beschäftigt hat, musste einem „Iron Sky“ zwangsläufig über den Weg laufen. Teils durch Crowdfunding entstanden und somit von Anfang an als Kultfilm konzipiert, hat der Film auch aufgrund seiner herrlich absurden Prämisse Wellen geschlagen. Was ist also dran an der finnisch-deutschen Sci-Fi-Satire?

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Die Idee ist grandios: Nazis auf dem Mond, die planen die Erde zu erobern – was hätte man daraus alles machen können? Angeboten hat sich in diesem Fall natürlich grober Unfug, bei dem sich die Frage, ob man über Nazis lachen darf oder nicht, überhaupt nicht stellt. Insofern schon einmal viel richtig gemacht. Ein gewisser Trash-Faktor muss bei dieser Art von Film natürlich auch vorhanden sein. Action. Völlig übertriebene Action. Und natürlich Humor. Viel Humor. Sollte man eigentlich meinen, oder nicht?

„Iron Sky“ sieht für sein geringes Budget gut aus. Viel zu gut. Die Effektszenen müssen sich teils selbst vor größeren Hollywood-Produktionen nicht verstecken, was in Kombination mit der flachen Handlung und den durchwachsenen Leistungen der Schauspieler oft befremdlich wirkt. Visuell bombastisch inszenierte Steampunk-Anleihen und ein Score, der intelligenter arrangiert scheint, als das gesamte Drehbuch geschrieben ist, treffen auf ungelenke Witze und eine seltsam sprunghaft wirkende Dramaturgie.

Viele der 90 Minuten des Films haben sich gezogen wie Kaugummi. Leider können die interessante Prämisse und die ambitionierte Inszenierung nicht über das schwache Drehbuch und den nahezu nicht vorhandenen Humor hinwegtäuschen. Vieles ist bestimmt lustig gemeint, doch verpufft nahezu jede potenzielle Pointe durch schlechtes Timing oder miese Dialoge nahezu vollständig. Ein paar Mal musste ich durchaus schmunzeln, doch für solch einen Film, der beinahe schmerzhaft offensichtlich als überdrehte Satire inszeniert ist, kann das nicht genug sein.

Auch wenn ich mich teils geärgert und gelangweilt habe, so bin ich dennoch froh mir den Film angesehen zu haben. Er hat einen gewissen amateurhaften Charme und so manche Idee weiß durchaus zu gefallen. Doch hätte man wahrlich mehr Energie in das Drehbuch stecken müssen, als das gesamte Budget für – zugegebenermaßen beeindruckende – Effektszenen auszugeben. Somit bleibt ein weder sonderlich lustiger oder gar subversiver Film, der eher aufgrund seiner Entstehungsgeschichte in Erinnerung bleiben wird: 4/10 Punkte.

19 Gedanken zu “Iron Sky (2012)

  1. Mein Problem mit dem Film war, dass er einfach viel zu sehr wie ein Blockbuster erzählt war, obwohl er keiner sein will. Wen kümmern in einer solchen Handlung die Effekte und die Actionszenen? Leider wurde auf die mehr geachtet als auf ein lustiges Drehbuch. Immerhin gefiel mir der Witz mit dem Hitlerschnauz bei Intimrasuren und der Mondfassung vom großen Diktator.

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    • Auch wenn ich es anders ausgedrückt habe, so waren dies auch exakt meine Kritikpunkte: Viel zu viel wert auf Effektszenen und Action gelegt und das Drehbuch fahrlässig vernachlässigt. Ein paar nette Schmunzler waren dabei, doch insgesamt viel zu brav und zu unentschlossen.

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  2. Oha, und dabei hatte ich dir bei meiner Review noch versprochen, dass du viel Spaß mit dem Film haben wirst…
    Endlich mal wieder ein Film, bei dem unsere Meinungen doch weit auseinandergehen – doch musste es ausgerechnet „Iron Sky“ sein…?

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    • Stimmt, habe ich auch nochmal nachgelesen. War wohl nix. Leider funktioniert der Humor des Films für mich fast gar nicht. Da hätte man deutlich alberner sein dürfen und mehr Witz in die Dialoge packen müssen.

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  3. Ui, da sehe ich den Film ja sehr, sehr viel positiver als du! Ich fand’s einfach herrlich doof und trashig. Der Kinosaal war bis zum letzten Platz besetzt und alle schienen Spaß zu haben. Vielleicht hat sich bei dir jetzt auch einfach nur die Erwartung ins Unermeßliche gesteigert😉 Aber gut, ich kann einige deiner Kritik-Punkte durchaus verstehen…

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    • Ich fand den Film dagegen entweder zu doof oder nicht trashig genug. Weiß auch nicht. Die Tonalität des Films war für mich irgendwie neben der Spur. Dabei weiß ich die Ambitionen der Filmemacher durchaus zu schätzen und finde die ganze Sache sympathisch – nützt dem Film aber leider auch nichts…😉

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  4. Du nutzst deinen Urlaub ja wirklich fleißig zum Filme- und Serien-gucken. Fein.🙂

    Dass Iron Sky so ist wie du ihn beschreibst habe ich fast befürchtet … und auch schon öfter gehört. Er hält scheinbar nicht was er verspricht und darum habe ich ihn noch nicht gesehen, obwohl ich das unbedingt wollte als ich das erste Mal davon gehört habe … Naja mal sehen, vl. irgendwann …

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    • Ja, ich versuche es zumindest. Die Zeit dafür (inklusive Bloggen) beschränkt sich leider meist nur auf ein paar Stunden am späten Abend. Dann dafür aber richtig – wer braucht schon Schlaf…😉

      Auch ich hatte von „Iron Sky“ bereits gemischte Meinungen gelesen, doch immer noch die Hoffnung, dass darauf ein nettes Sci-Fi-Trash-Feuerwerk wird. Leider war der Humor viel zu brav bzw. einfach schlecht geschrieben. Insofern durchaus nett, aber nichts was man sehen muss.

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  7. Die Frage ist ja auch, wie gehe ich in so einen Film rein. Ich hab ihn auf der Berlinale in der Weltpremiere gesehen und hab mir gesagt: Geh davon aus, der Film ist eine Katastrophe.
    Dann kann der Film einen aber doch nur umhauen, oder?😀 Dramaturgie ist schablonenhaft, Dialoge schmerzhaft hölzern, aber hinter Trash steckt ja auch System. Manchmal drückt der Film zu sehr auf politisch gehaltvolle Satire, aber im Ganzen hat er glaube ich nur das Ziel, an die Geschmacksgrenzen zu gehen und zu sehen, was man dem Zuschauer noch verkaufen kann. Ähnlich wie etwa Planet Terror. Und ich hab mich tatsächlich herrlich amüsiert🙂

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    • Vielleicht bin ich zu abgehärtet, doch fand ich den Film meilenweit von meinen Geschmacksgrenzen entfernt. Er war eher harmlos. Der einzige gelungene Gag in diese Richtung war die Albinisierung – und selbst dieser wurde eher nur okay in Szene gesetzt. Auch vom Trash-Aspekt her war der Film zu gut, um als Trash durchzugehen, aber zu schlecht um wirklich ernst genommen werden zu können. Nee, hat bei mir trotz eher verhaltenen Erwartungen nicht so wirklich gezündet.

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      • Da sagst du allerdings was Wahres. Als trash steckte zu viel Qualität drin, und um trash zu sein, war er auch auf zu viel hype gebaut. Und da er nichts anderes als trash sein kann, steht er sich schon irgendwie selbst im Weg…

        Dann doch lieber Planet Terror😀

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