The Avengers (2012)

Eigentlich hatte ich geplant Joss Whedons „The Avengers“ direkt nach meiner Sichtung der Prequel-Filme im Juni diesen Jahres zu sehen, doch habe ich es – wie so oft – nicht ins Kino geschafft, weshalb ich auf die Heimkinoauswertung warten musste. Heute jedoch war es endlich soweit und ich habe mir das nicht nur lang erwartete, sondern auch noch ungemein erfolgreiche Treffen der Marvel-Superhelden angesehen. Ob es – speziell für mich als Joss Whedon-Anhänger – den hohen Erwartungen gerecht werden konnte?

Ohne langes Herumreden bzw. -schreiben: Der Film macht viel Spaß, Joss Whedon hat alles richtig gemacht und doch ist „The Avengers“ in meinen Augen nicht der Überflieger, als der er gerne gesehen wird. Eben eine kunterbunte Comic-Verfilmung, die sich – Whedon sei Dank – weder ernst nimmt, noch ihre Wurzeln verleugnet oder versucht mehr zu sein als sie ist. Die große Stärke des Films ist wohl vor allem, wie ausgewogen die einzelnen Charaktere präsentiert werden. Man merkt, dass Whedon bisher stets mit Ensembles gearbeitet hat. Ob „Buffy: The Vampire Slayer“, „Angel“ oder „Firefly“ bzw. „Serenity“ – bei all seinen bisherigen Werken stand stets das Team im Vordergrund und diese Erfahrung zahlte sich bei seinem großen Durchbruch in Hollywood aus. Es wurde aber auch Zeit!

Inszenatorisch leistet sich Whedon keine Schwächen und zeigt uns Action, wie man sie gerne sieht: laut, bunt und bombastich, doch stets übersichtlich für den Zuschauer gefilmt. Zudem wird sie häufig von kleinen Charaktermomenten unterbrochen und ist mit Humor durchsetzt. In den ruhigeren Szenen wird die Geschichte vorangetrieben, die weder sonderlich innovativ ist, noch mit Überraschungen aufwartet. Superheldengedöns eben, das von seinen Charakteren und deren Dialogen lebt. In diesen findet man auch Whedons Vorliebe für popkulturelle Anspielungen und schnellen Wortwitz wieder.

Nachdem die erste Phase des Marvel Cinematic Universe nun abgeschlossen ist, ziehe ich ein kurzes Resümee der bisherigen Filme. Tatsächlich ist der erste Ensemble-Film in meinen Augen der gelungenste. Man merkt allerdings in nahezu jeder Einstellung, dass er stilistisch auf die Prequels aufbaut, was aber nicht schlecht ist, da sich so ein rundes Gesamtbild ergibt. Hier nun meine vorläufige Rangliste der Filme der ersten Phase:

1. „The Avengers“
2. „Iron Man“
3. „Thor“
4. „Captain America: The First Avenger“
5. „Iron Man 2“
6. „Der unglaubliche Hulk“

Als langjähriger Fan Joss Whedons freut es mich besonders, dass ihm endlich der große Durchbruch gelungen ist. Zwar merkt man „The Avengers“ an, dass der Film in einem bereits sehr vorgegebenen Rahmen entstanden ist, doch konnte Whedon ihm auf jeden Fall seinen Stempfel aufdrücken – inklusive des bei ihm üblichen Dahinscheidens eines nicht unwichtigen Charakters. Für mich ist der Film keine Offenbarung, doch hat er mir enorm viel Spaß gemacht. Zudem frage ich mich seit der Sichtung die ganze Zeit: Wie würde wohl ein „Serenity“-Sequel mit diesem Budget aussehen? Ich hoffe nur Whedon hat in Zukunft auch wieder Zeit und die nötigen Mittel eigene Stoffe zu entwickeln. Bis dahin freue ich mich jedoch auf „The Avengers 2“ und die „S.H.I.E.L.D“-TV-Serie: 8/10 Punkte.

24 Gedanken zu “The Avengers (2012)

  1. Ich fand den Film eigentlich rundum gelungen (mal abgesehen von der Darstellung Stuttgarts… dass deutsche Polizeiautos blaue Leuchten auf dem Dach haben, sollte nicht so schwer rauszufinden sein…). ABER: wer auch immer diesen beknackten Jeremy Renner als Hawkeye gecasted hat, der gehört erschossen. Weniger Mimik als Kristen Steward oder Keanu Reeves in „Der Tag an dem die Erde stillstand“. Unglaublich, dass er den ganzen Film über diesen einen Blick drauf hat, der aussah wie 3 Tage Verstopfung.
    Aber alles in allem hat Whedon seine Sache gut gemacht. Astreines Popcornkino.

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    • Ach, mit der fehlerhaften Darstellung Deutschlands habe ich mich inzwischen abgefunden. Zudem fand ich schon, dass die Location durchaus deutsch und sogar etwas nach Stuttgart ausgesehen hat – die Details haben mich da nicht sonderlich gestört.

      Jeremy Renner fand ich okay, zumal er ja die meiste Zeit sowieso als Loki-Zombie rumgelaufen ist. Kenne aber die Figur Hawkeye auch nicht und weiß somit nicht, wie er besser hätte dargestellt werden können.

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      • Einfach mit mehr Mimik wäre schon mal ein Anfang gewesen😉 Stellan Skarsgård hatte ja als Zombie auch einiges dergleichen zu bieten.
        Und bzgl. Stuttgart… noch am Donnerstag sah Stuttgart absolut anders aus, nicht wie eine kleine Großstadt, wie man sie immer in US-Filmen sieht😀

        Aber wie gesagt, ansonsten war ich mit dem Film auch zufrieden und freu mich auf den 2. Teil.

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      • Stellan Skarsgård ist ja sowieso ein ganz anderes Schauspiel-Kaliber. Mich hat Renner aber auch nicht allzu sehr gestört. Ansonsten war ich erst zwei- oder dreimal in Stuttgart, doch hat die Darstellung gestern nicht komplett falsch gewirkt. Dass sich da niemand die Mühe macht Sachen 1:1 abzubilden, kann man sich ja denken und ich bin schon froh, dass man nicht wieder irgendeine Sehenswürdigkeit in eine ganz andere Stadt gestellt hat (siehe „Das A-Team“ mit dem Kölner Dom in Frankfurt).

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  2. Pingback: Review: The Avengers (Film)

  3. Noch so ein großer Joss Whedon-Fan!^^ Ich habe mich auch gefreut, dass er endlich auch in der breiten Öffentlichkeit die verdiente Aufmerksamkeit bekommt und auch wenn „The Avengers“ jetzt kein hochinnovatives Stück Kino geworden ist, hat er doch im Rahmen seiner Möglichkeiten wirklich alles richtig gemacht und sich definitiv für weitere Regie-Posten qualifiziert. Auf die Serie plus die zahllosen noch folgenden Filme bin ich auch mal gespannt.

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    • Bei mir stand „The Avengers“ sowieso hauptsächlich wegen Joss Whedon auf dem Programm. Die restlichen Prequel-Filme mochte ich zwar auch, doch ausschlaggebend für die Komplettsichtung war ohne Zweifel seine Beteiligung – auch wenn ich lieber „Serenity 2“ gesehen hätte…😉

      Ich bin mir sicher, dass der Film bei eventuellen Folgesichtungen auch noch wachsen wird, denn bestimmt habe ich gestern einige Anspielungen und Zusammenhänge verpasst.

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  4. Hab ich immer noch nicht gesehen, werde ihn mir nach deiner Kritik aber wohl zu Weihnachten auf Blu-ray holen (wobei ich mich über die Target-Edition ärgere, die eine Zusatzdisc mit einer Zusammenfassung der anderen Superheldenfilme dabei hat, gibt’s aber halt nur bei der Target-Einkaufskette in den USA). Wenn du ihn höher als Iron Man einschätzt, muss er ja einfach gut sein. Das Ranking trifft übrigens genau meine Bewertung und ich gehöre ebenfalls zu den Menschen, die nicht blind jeden Superheldenfilm hochjubeln. Insofern ist deine Kritik im Sinne von „nicht der Überflieger“ absolut wohltuend.

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    • Ich ärgere mich übrigens auch etwas über den Kauf der Single-Disc, die auch kaum Extras enthält. Die hat man nämlich nur der 3D-Blu-ray beigekappt, was ich aber nicht so auf dem Radar hatte. Naja, Zeit diese anzuschauen hätte ich wahrscheinlich sowieso nicht gehabt, obwohl bei Joss Whedon? Ärgerlich, aber ist jetzt eben so…

      Wenn du die bisherigen Filme ähnlich einschätzt, dann bin ich mir sicher, dass due großen Spaß mit „The Avengers“ haben wirst. Für einen Superheldenfilm grandios, für einen Whedon-Film erwartungsgemäß gut, aber eben nicht ganz so gelungen, wie seine selbst erschaffenen Universen, da er zu sehr auf bestehendes Material aufbauen musste. So oder so auf jeden Fall ein toller Film!

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  5. „Avengers“ find ich insgesamt sehr gelungen, aber die monströse Action am Schluss hätte nicht so ausufernd sein müssen. Und ich würde „Thor“ und „Captain America“ auf die letzten beiden Plätze stellen.

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    • Hmm ja, die Action am Schluss hätte man auch für mich durchaus reduzieren dürfen. Aber etwas anderes hätte ich von solch einem Hollywood-Blockbuster auch nicht erwartet. Zumindest gab es ein paar schöne whedonesque Einzelszenen darin, z.B. Hulk: „Puny god!“😀

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  6. Ob ich mich auf die „S.H.I.E.L.D.“-Serie freuen soll, weiß ich noch gar nicht so genau. Freut mich aber, dass du endlich mal „The Avengers“ gesehen hast. Ein klein wenig mehr Euphorie hätte ich mir jetzt zwar schon gewünscht, aber ich schiebe das jetzt mal darauf, dass du den Film nicht im Kino gesehen hast😉

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    • Ach, Euphorisches hat man über den Film bereits genug gelesen. Ich fand ihn ja auch toll und habe ihn bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen. Wenn Whedon „S.H.I.E.L.D.” richtig angehen darf, dann könnte die Serie a) großartig und b) ein Erfolg werden. So oder so bin ich gespannt darauf…

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