Die Tribute von Panem – OT: The Hunger Games

Gestern Abend war ich zum ersten Mal seit 9 Monaten wieder im Kino, was wohl einen neuen Negativrekord darstellen dürfte. Wir hatten dieses Ereignis schon lange geplant und mit einem leckeren Essen (viel zu viele Tapas) kombiniert. Leider jedoch liefen die Wunschfilme („Hugo Cabret“ oder „The Grey“) nicht zu einer mit Kind bzw. Babysitter zu vereinbarenden Zeit, weshalb die Wahl letztendlich auf „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ fiel. Ehrlich gesagt fühlte ich mich zu Beginn der Vorstellung aufgrund der hohen Teenagerquote im Publikum schon etwas fehl am Platz, doch sollten sich diese Befürchtungen letztendlich recht schnell verstreuen…

Im Vorfeld hatte ich mich nicht groß mit dem Film bzw. der Vorlage auseinandergesetzt. Da eine Kollegin jedoch erst kürzlich die Trilogie verschlungen hat, war mir die grobe Rahmenhandlung allerdings ebenso bekannt, wie die Tatsache, dass „Die Tribute von Panem“ wohl das nächste große Ding unter den Jugendbüchern darstellt. Da ich durchaus empfänglich für Jugendliteratur bin und sich die Prämisse recht vielversprechend anhörte, erhoffte ich mir im Idealfall eine für mich interessante Begegnung mit einem neuen fiktionalen Universum und im schlimmsten Fall eine Art von „Twilight“-Nonsense. Letztendlich hat mir es die Geschichte auf jeden Fall angetan, obwohl die Prämisse nur aus populären Sci-Fi-Versatzstücken besteht: Jeder Genrefreund dürfte sich an „Running Man“, „Battle Royale“ oder „Das Millionenspiel“ erinnert fühlen. Die Atmosphäre und gewisse Elemente abseits der Hungerspiele erinnerten mich zudem sehr an John Christophers „Die dreibeinigen Monster“-Trilogie sowie George Orwells „1984“.

Es ist wahrlich kein Wunder, warum Suzanne Collins Romanreihe weltweit große Erfolge feiert. In Zeiten von Casting-Shows und Vorführfernsehen à la Dschungelcamp und Co. ist es nur naheliegend diese Thematik gerade für die Zielgruppe von „Germany’s Next Topmodel“ usw. entsprechend dramatisiert aufzubereiten. Natürlich sind die sozial- und medienkritischen Elemente äußerst plakativ und werden mit dem Holzhammer präsentiert, doch wenn diese auch nur einen Bruchteil der Zielgruppe zum Nachdenken abregen, ist dieser Ansatz in meinen Augen durchaus legitim und begrüßenswert. Insofern kann ich die oberflächliche Kritik einiger konservativer Feuilletonisten und Hobbykritiker an der ach so verwerflichen Thematik und Gewaltdarstellung nicht nachvollziehen.

Ich muss zugeben, dass ich nach anfänglicher Skepsis wirklich viel Spaß mit dem Film hatte. Man wird schnell in diese Welt hineingezogen und auch wenn ich durchaus einige Kritikpunkte habe, so war das Gesamterlebnis doch durchwegs positiv: Ich sollte wahrlich wieder öfter ins Kino gehen. Der Aufbau der Handlung ist angenehm bedächtig und gibt den Figuren genug Raum, um sie für den Zuschauer interessant zu machen. Der Einstieg in die Hungerspiele war überraschend hart und mitreißend. Die Liebesgeschichte reduzierte sich zudem glücklicherweise auf den letzten Akt und wirkte dabei dennoch etwas aufgesetzt. Ich bin mir sicher, dass die Vorlage diese weit behutsamer vorbereitet. Insgesamt konnte ich der Handlung des Films jedoch gut folgen und hatte nicht den Eindruck, dass etwas Wichtiges weggelassen wurde.

Es mag am positiven Gesamteindruck des gestrigen Abends liegen oder an den Entzugserscheinungen, die mich aufgrund der langen Abwesenheit von der großen Leinwand plagten, doch „Die Tribute von Panem“ haben mich äußerst positiv gestimmt. Würde ich zurzeit nicht einer anderen Romanreihe verfallen sein, würde ich vermutlich sogar einmal in die Vorlage reinlesen. Auch wenn der Film nur ein – aufgrund so mancher Kostüme auch durchaus zu – bunter Genremix ist und gewisse Elemente durchaus besser herausgearbeitet hätten werden können, so hat mich der Film über knapp zweieinhalb Stunden jedoch exzellent unterhalten. Ich gebe es nur ungern zu, doch I am hooked: 8/10 Punkte.

19 Gedanken zu “Die Tribute von Panem – OT: The Hunger Games

  1. Das ist es leider tatsächlich. Wenn ich daran denke, dass ich zu Hochzeiten früher in guten Jahren fast jede Woche mindestens einmal im Kino war, dann kommt mir das schon unwirklich vor. Fest geplant für dieses Jahr sind aber auf jeden Fall „Prometheus“ und „Der Hobbit“ – und da kann kommen was wolle…😉

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  2. Das hier triffts am besten: „und auch wenn ich durchaus einige Kritikpunkte habe, so war das Gesamterlebnis doch durchwegs positiv“🙂

    Der Film macht trotz Fehlerchen einfach Spaß!

    P. S. 9 Monate? „Respekt“ wäre hier das falsche Wort, oder?😉

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  3. In Zeiten von DVD und Blu-ray wiegt der Kinoverlust nicht ganz so schwer und doch habe ich erst gestern gemerkt, wie sehr mir die große Leinwand gefehlt hat. So habe ich zumindest den Plan gefasst wieder öfter ins Kino zu gehen, doch ob sich das verwirklichen lässt? Naja, zumindest wird es nicht erneut 9 Monate dauern…😉

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  4. Huhu,
    Musste kurz schmunzeln, weil ich endlich auch mal wieder im Kino war und wir auch diesen Film wählten wegen des Babysitters… Aber auch ich war sehr positiv überrascht und überlege ernsthaft mir die Bücher zu kaufen. Wenn du vor mir dazu kommst lass uns Leser doch bitte daran teilhaben…

    Herzlichst Sabrina

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  5. Na, das ist doch mal ein netter Zufall! Ich hoffe bei euch hat es nicht ebenso lange 9 Monate seit eurem letzten Kinobesuch gedauert…😉

    Wenn ich irgendwann einmal dazu komme die Bücher zu lesen, werde ich an dieser Stelle garantiert davon berichten, doch das wird so oder so noch eine gute Weile dauern.

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  7. Neun Monate? Ich weiß nicht, ob ich dir Respekt zollen oder Mitleid haben sollte😉 Ein bisschen von beidem vielleicht…

    Aber ernsthaft jetzt: Ich fand den Film auch richtig gut… richtig gut, weil ich vorher auch keine Erwartungen oder Hoffnungen an den Film gestellt habe. Schade nur, dass sie für Teil 2 den Regisseur wechseln. Mal schauen, ob das der Reihe so gut tut.

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  8. Mitleid ist wohl eher angebracht, doch ich bin gute Dinge, dass ich es dieses Jahr zumindest noch zweimal ins Kino schaffe. Aber mal sehen…😉

    Vom Wechsel des Regisseurs habe ich auch schon gehört, was ich sehr schade fände. Mir hat bereits sein „Pleasentville“ sehr gut gefallen und mit „Die Tribute von Panem“ hat er auch diverse Fallen geschickt umschifft. Ich werde dennoch dranbleiben und bis dahin evtl. auch in die Vorlage reinlesen – kommt eben ganz darauf an, wie lange es noch bis zu den Verfilmungen dauert.

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  9. Ich kenne nur die Bücher und die Story erinnerte etwas zu sehr an Battle Royale, nur die „Gewalt“ wurde etwas herunter gedreht und die Protagonisten etwas „vermenschelt“.

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  10. Reduzierte Gewalt stört mich in diesem Fall nicht wirklich, da ich „Die Tribute von Panem“ durchaus hart fand. Splatterkino hätte ich von dieser Verfilmung sowieso nicht erwartet…

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