Tucker & Dale vs. Evil (2010)

Schon lange habe ich keinen so erfrischenden Film mehr gesehen. Es ist wahrlich eine Freude, was Eli Craig mit „Tucker & Dale vs. Evil“ für ein Wundertüte von einem Film auffährt. Meist setzen auf lustig getrimmte Horrorfilme einzig und allein auf Splattereffekte oder platten Humor, doch die richtige Gratwanderung aus Verbeugung vor dem Genre und Eigenständigkeit gelingt nur den wenigsten. Dieser Film ist eine dieser seltenen Ausnahmen.

Mag man Eli Craig das größte Kompliment machen, dann könnte man schreiben, dass „Tucker & Dale vs. Evil“ das Gleiche für den Backwood-Horror erreicht hat, wie Wes Cravens „Scream“ für den Slasher. Eine nahezu perfekte Genreparodie. Natürlich lassen sich beide Filme nur bedingt vergleichen und aufgrund seiner Indie-Herkunft sollte man vermutlich eher „Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon“ als Slasher-Pendant heranziehen. Allen drei Filmen gelingt es dabei – wie z.B. auch „Shaun of the Dead“ – zum Brüllen komisch und dennoch innerhalb der eigenen Regeln höchst mitreißend zu sein, ohne dabei die Charaktere der Lächerlichkeit preiszugeben.

Die Prämisse von „Tucker & Dale vs. Evil“ ist so simpel wie brilliant, dass man sich nur fragen kann, wieso man nicht selbst auf diesen Gedanken gekommen ist. An dieser Stelle möchte ich nicht mehr verraten, da es nur die Freude am Filmerlebnis trüben würde. Trotz seiner exzellenten Grundidee würde der Film ohne Alan Tudyk (Wash, „Firefly“ und „Serenity“) und Tyler Labine (Larry Munsch, „Mad Love“) jedoch nicht funktionieren. Ein herrliches Leinwandpaar, das hier auch unerwartet ruhige Töne anschlagen darf. Auch die restlichen Mitglieder des Casts wissen in ihren begrenzten Rollen zu überzeugen.

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, ist die Motivation des eigentlichen Killers. Hier wäre es doch wunderbar gewesen, wenn man im Abspann gesehen hätte, wie sich bereits seine Eltern das Memorial Day Massaker nur eingebildet hätten. Aber vielleicht hätte dies der Integrität der Geschichte auch eher geschadet, denn auch wenn das Finale eher klischeehaft abläuft, bleibt der Film dabei doch stets unterhaltsam und weiß mit herrlich grotesken Szenen aufzuwarten.

Mich hat „Tucker & Dale vs. Evil“ wahrlich exzellent unterhalten und ich würde mir an dieser Stelle beinahe ein Sequel wünschen. Vielleicht eine Torture Porn-Parodie? Vielleicht etwas ganz anderes? Allein dieser Wunsch beweist, dass mit Tucker und Dale zwei Charaktere die Genre-Bühne betreten haben, an die man sich – so man über diesen Film stolpert – noch lange erinnern wird. Unbedingt anschauen: 8/10 Punkte.

22 Gedanken zu “Tucker & Dale vs. Evil (2010)

  1. Wirklich eine Perle des Horrorfilms, für mich genau die richtige Mischung aus Comedy, Parodie und ein bisschen Gore (Stichwort Häcksler). Wie sich die bösen Städter selbst dezimieren, ist schon urkomisch. Den Film kann man nicht genug loben und hervorheben. Und das, obwohl ich wirklich kein Fan von Tyler Labine bin.

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  2. @Inishmore: Ja, der Gore-Faktor war nicht zu unterschätzen. Glücklicherweise war er im Rahmen der Geschichte nicht zu übertrieben. Tyler Labine kenne ich nur aus „Mad Love“ und dort fand ich seinen Charakter noch mit am sehenswertesten. In diesem Film hat er mir sehr gut gefallen. Und Alan Tudyk sehe ich sowieso immer gerne.

    @Stefan: Genau!

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  3. Möchte mich deiner Kritik ebenfalls vorbehaltlos anschließen, denn ich wurde ebenso gut unterhalten und konnte ihn auch nicht genug loben. Ein Sequel wäre tatsächlich eine großartige Sache!

    Es stimmt schon, dass unsere Geschmäcker doch seeehr ähnlich gelagert scheinen😉

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  5. Den Film habe ich auch noch auf meiner Liste stehen, als alter „Firefly“-Veteran allein schon wegen Alan Tudyk. Normalerweise ist das überhaupt nicht mein Genre, aber die Grundidee klingt einfach zu genial, um ihn sich entgehen zu lassen. Daher werde ich wohl mal eine Ausnahme machen müssen😉

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  6. Alan Tudyk ist auch hier wieder grandios. Gerade als „Firefly“-Freund wirst du deinen Spaß mit seiner Performance haben. Da der Film auch sehr humorvoll und sympathisch angelegt ist, dürften selbst die Splatterszenen Zuschauer nicht stören, die mit Backwood-Slashern normalerweise nichts am Hut haben. Viel Spaß mit dem Film!

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  7. Mich störten die langatmigen Zwischenpassagen, das hätte einfach straffer sein müssen, mehr wie SHAUN OF THE DEAD. Zwar waren die Slasher-Ausbrüche stets sehr vergnüglich, gerade im letzten Drittel jedoch zu rar gesät. Für mich ok, aber mehr leider auch nicht.

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  8. Ich fand ja, dass gerade die ausgewogene Mischung den Film sehenswert gemacht hat. Hier sehe ich übrigens Parallelen zu „Shaun of the Dead“ (der aber ohne Zweifel das gelungenere Werk ist). Noch mehr Slaher-/Splatterszenen hätte es gar nicht gebraucht und in meinen Augen haben gerade die Atempausen den Figuren des Films Charakter verliehen.

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