Aliens: Die Rückkehr – Special Edition (1986)

Ein beliebter Streitpunkt unter Filmfreunden ist, welcher der beiden ersten Filme der „Alien“-Reihe denn besser ist: Ridley Scotts klaustrophobischer Horrorthriller oder James Camerons düsteres Actionabenteuer. Früher ging bei mir die Tendenz oft eher Richtung „Aliens: Die Rückkehr“, da der Film mehr Monster, coolere Sprüche und die bombastischere Action bot. Heute jedoch weiß ich, dass beide Filme für ihr Genre bahnbrechend sind.

Wie bereits angedeutet, schlägt „Aliens“ eine andere Richtung ein als sein Vorgänger. Es wäre vermutlich leicht gewesen, die bekannte Geschichte minimal abgeändert noch einmal durchzuspielen. James Cameron hat jedoch glücklicherweise einen anderen, eigenständigen Weg gewählt und das bisher eingeführte Universum rund um Weyland-Yutani und LV-426 wunderbar erweitert. Der Charakter der Hauptfigur Ellen Ripley erfährt eine konsequente Weiterentwicklung und auch die Aliens werden mit neuen Facetten ausgestattet. Vor allem jedoch wird die Handlung actionbetonter, ohne jedoch die dichte Atmosphäre zu vernachlässigen.

Gesehen habe ich erneut die Special Edition des Films, welche sinnvolle und teils enorm spannende Handlungserweiterungen beinhaltet. Auch wenn Cameron nicht das Label Director’s Cut verwendet, so darf man – wenn man diversen Interviews Glauben schenken mag und wie auch bei der Special Edition von „The Abyss“ – von der Wunschfassung des Regisseurs ausgehen. Die gut zweieinhalb Stunden vergehen tatsächlich auch wie im Flug, wenngleich der Spannungsaufbau über eine Stunde beansprucht und es erst im Anschluss zur ersten Konfrontation mit den Aliens kommt. Wirklich bemerkenswert und beinahe schon ein Lehrstück in Sachen Filmstruktur.

Man liest oft, dass Camerons Drehbuch im Vergleich zum Original Schwächen in der Charakterzeichnung aufweist und man die Aliens zu lange und zu oft zu Gesicht bekommt, was der Spannung abträglich ist. Ich persönlich kann diesen Kritikpunkten nur vehement widersprechen, denn für das Genre sind die Charaktere wirklich wunderbar ausgearbeitet. Besonders die angedeutete Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Ripley und Newt gibt dem Film ein emotionales Grundgerüst, welches für einen Actionfilm außergewöhnlich tief geht. Und die Aliens? Außer der Königin im Showdown gibt es auch nicht viel mehr Alien zu sehen, als in Scotts Version. Durch den Schnitt und die voranpeitschende Handlung wirkt es aber so, als wären beständig ein Dutzend Aliens im Bild. Grandios!

Wie bereits in „Alien“ gibt es auch im Nachfolger unzählige Szenen, welche sich nicht mehr aus dem kollektiven Filmbewusstsein wegdenken lassen. Alleine der Endkampf zwischen Laderoboter-Ripley und der Königin ist epochales Actionkino. Kaum zu glauben, dass der Film in seiner ursprünglichen Fassung bereits 24 Jahre auf dem Buckel hat. Auch hier kann ich wieder nur die aktuelle Blu-ray empfehlen. Bisher war die Bildqualität von „Aliens“ ja immer eher bescheiden, doch jetzt wirkt der Film tatsächlich so, als wäre er erst gestern gedreht worden. Ein absoluter Pflichtkauf für jeden Fan.

Für mich steht „Aliens“ seinem Vorgänger in nahezu nichts nach. Objektiv betrachtet ist Scotts Film bestimmt der wichtigere – schon alleine aufgrund der natürlichen Innovativität des Erstlings. Man darf aber nicht vergessen, dass Cameron aus der vorhandenen Ausgangssituation nicht nur das maximale herausgeholt hat, sondern dem Franchise seinen ganz persönlichen Stempel aufdrücken konnte. Für mich wohl eine der besten Fortsetzungen überhaupt und zu Recht auf Augenhöhe mit dem Vorgänger: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

17 Gedanken zu “Aliens: Die Rückkehr – Special Edition (1986)

  1. Wobei der actionlastige Showdown vielleicht 15 Minuten beansprucht. Auch der Kampf im Laderoboter ist relativ schnell abgehandelt, wobei ich ihn auch länger in Erinnerung hatte. Es mag schon sein, dass ich den Film etwas durch die rosarote Nostalgiebrille sehe, doch war ich überrascht wie frisch und konsequent er auch heute noch wirkt – und wie stark sich das Design von „Avatar“ doch bereits hier wiederfinden lässt…

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    • Neulich nach langer Zeit mal wieder gesehen und was kann ich sagen? Ich hab den Film gehasst bzw. er hat mich unentwegt aufgeregt😀 (Wohlwissend, dass ich damit alleine auf der Welt bin)
      Das lag zugegeben weniger am Technischen, sondern primär am Drehbuch, das mir einfach viel zu viele Widersprüche und Unsinnigkeiten enthält. Das Finale ist mir immer noch zu „lahm“, ich hätte es vorgezogen, wenn die Szene der Marines im Nest, die ziemlich verschenkt ist, mehr fokussiert worden wäre, anstatt Ripley im Laderoboter den Stehtanz mit der Königin tanzen zu sehen.
      Da gefallen mir Teil 3 und 4, die ich ebenfalls dieser Tage erneut sah, weitaus besser, die technisch-formal schwächer sind, deren Plot Holes einem aber nicht so penetrant „die Sicht versperren“.

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      • Was soll ich jetzt dazu sagen? Ich liebe den Film, wie aus meiner Kritik ja ersichtlich wurde, weshalb ich ihn bestimmt auch nicht objektiv bewerten kann bzw. will. So kann ich auch nichts gegen den Mech-Queen-Kampf sagen, da er für mich einfach zum Film gehört. Aber was die Reihe angeht bin ich für dich wahrscheinlich sowieso der falsche Diskussionspartner…😉

        Dennoch finde ich es immer wieder interessant deine Meinung zu lesen – auch zu Kritiken, die ich vor längerer Zeit geschrieben habe. Bringt mich dann vielleicht doch noch mal dazu, gewisse Filme anders zu sehen (okay, diesen hier nicht).

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  2. Die Alien-Reihe mag ich so sehr, weil in ihr nie die Aliens im Mittelpunkt standen, sondern (fast) immer Ripley. In dieser Hinsicht hält Die Rückkehr ein angenehmes Gleichgewicht – schade dass die Beziehung zu Newt in diesem Film bereits ihr Ende findet.

    Dass die BD ein gutes Bild hat, überrascht mich tatsächlich. Die DVD meiner Alien-Collection hat wirklich miserable Qualität, weit schlechter als die von Teil 1…

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  3. Ja, auch für mich ist die Weiterentwicklung Ripleys eine der größten Stärken der Reihe. Was man sich dann beim dritten Teil gedacht hat? Die sorgsam etablierten Charaktere aus dem Vorgänger einfach so nebenbei wieder rausschreiben und die an sich schon fade Grundprämisse des Gefägnisplaneten? Na, ich weiß nicht. Glücklicherweise hat Fincher noch das beste daraus gemacht.

    Ja, die Blu-ray ist wirklich famos. Soweit ich weiß hat Cameron persönlich den Transfer überwacht, was für „The Abyss“, „Titanic“ usw. hoffen lässt. Schade nur, dass er die „Terminator“-Reie in dieser Hinsicht so vernachlässigt.

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  4. Muss mir Blu-ray-Fassung kaufen…muss mir Blu-ray-Fassung kaufen…DVD-Fassung hat bescheidene, wenn nicht sogar miserable Qualität…muss mir Blu-ray-Fassung kaufen…ich liebe Aliens…ihr macht mich arm…muss mir Blu-ray-Fassung kaufen…

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