Watchmen (2009)

Was habe ich mich auf diesen Film gefreut. Trotz fehlender Kenntnis der Vorlage stand Zack Snyders Verfilmung von „Watchmen“ seit dessen Kinoauswertung auf meiner Liste der zu sehenden Filme. Auch den Comic wollte ich stets lesen, jedoch bin ich bisher noch nicht dazu gekommen, was vielleicht auch der Grund ist, warum mich der Film ziemlich ratlos zurück lässt.

Nach den ersten Minuten und der berauschend schönen Titelsequenz war ich davon überzeugt ein Meisterwerk zu sehen. Hyperreal gefilmt, mitreißend inszeniert und straff erzählt. Man könnte sich daraus wahrlich jedes Einzelbild an die Wand hängen. Snyder greift seinen Inszenierungsstil aus „300“ wieder auf, um einzelne Comicpanels in Zeitlupenästhetik auf die Leinwand zu bringen. Doch ist dieser äußerst artifizielle Stil auch das richtige Mittel um wirklich jede Geschichte zu erzählen?

Ich hatte teils so meine Probleme damit. Die eher ruhigen und charakterbildenden Szenen hielten mich durch die kühlen Bilder seltsam auf Distanz und die Actionszenen waren mir nach einer gewissen Zeit zu berechenbar. Noch eine Zeitlupe? Wirklich? Trotz allem möchte ich den visuellen Stil von „Watchmen“ als durchaus schön anzusehen bezeichnen, doch empfand ich ihn insgesamt als zu anstrengend und abgehoben, um mich wirklich eine Verbindung zu den Charakteren und der Geschichte aufbauen zu lassen.

Die Geschichte an sich ist wirklich sehr interessant. Ein paralleler Zeitstrang zu unseren 80er Jahren, in dem Superhelden zum Alltag gehören. Wirklich eine fantastische Idee, welche auch im Film schön umgesetzt wurde. Sei es nun durch den Soundtrack, Einbeziehung von popkulturellen Referenzen (Andy Warhol malt nicht Marylin Monroe, sondern eine Superheldin usw.) oder politischen Verwicklungen. Doch neben der Rahmenhandlung erscheint der Haupthandlungsstrang leider viel zu zerfahren.

Es wird wild durch verschiedenste Zeitebenen gesprungen, Superhelden tauchen ohne weitere Erklärung auf und die Motivation der Charaktere lässt sich oft einfach nicht greifen. Richtig problematisch wird es dann, wenn die ruhigen Szenen eher langweilig und unfreiwillig komisch wirken (z.B. die Sexszene zwischen Night Owl II und Silk Spectre II) und die Actionszenen beliebig eingestreut werden. Es mag sein, dass dieser äußerst sprunghafte Erzählstil im Comic funktioniert, der Film erscheint dadurch jedoch wie ein buntes Mosaik ohne stringenten Handlungsaufbau.

Trotz meiner Kritikpunkte muss ich sagen, dass mich „Watchmen“ durchaus fasziniert hat. Da ist etwas in der Geschichte, das wert ist erzählt zu werden. Zeit also, dass ich mich an die Vorlage heranwage. Bereits Alan Moores „From Hell“ bot ja ungeahnte Tiefen im Vergleich zur Verfilmung. Was Zack Snyders Adaption angeht, kann ich mir kein Urteil erlauben, jedoch erschien mir der Film bereits im Kinocut viel zu lang und doch lückenhaft. Interessant, aber leider nicht wirklich packend und somit letztendlich leider ziemlich enttäuschend: 6/10 Punkte.

17 Gedanken zu “Watchmen (2009)

  1. Das gibt Krieg😉
    Ich kann üblicherweise mit Comics nichts anfangen, aber für die Watchmen habe ich mir die Vorlage durchgelesen und war dann doch sehr angetan von der Verfilmung. Zugegebenermaßen bin ich einer dieser Filmkonsumenten, die man schon mit einem genialen Intro (hier der gute alte Dylan Bob) so packen kann, dass ich über kleinere Schwächen hinwegsehe. Bei den Charakteren hat mich wie viele andere die Übercoolness und Geschichte von Rorschach fasziniert, dazu die von dir erwähnten 80er-Jahre Alternativzeitlinie und ein stimmiges, von der Vorlage leicht abweichendes Ende. Okay, bei Dr. Manhattans Gemurmel habe ich mich auch mal hie und da gelangweilt, dennoch würde ich auf deine Wertung 2 – 2 1/2 Pünktchen draufpacken wollen.

    Btw, hast du den Director’s Cut oder die Kinofassung gesehen?

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  2. @Sebastian: Werde mir die Comicvorlage auch zulegen, wenn ich mal wieder Luft in meinem Lesestoff habe.

    Den Soundtrack fand ich eigentlich recht gelungen, wenngleich er natürlich oft gewollt cool rüberkommt. Doch das muss einen bei Snyder ja nicht wundern.

    @Inishmore: Das Intro hat mich – wie bereits geschrieben – auch gepackt und mitgerissen. Da war ich auch noch überzeugt etwas ganz Großes zu sehen. Auch Rorschach fand ich klasse, ebenso wie die 80er Jahre Atmosphäre. Doch der Rest hat mich einfach nicht gepackt. Mag sein, dass mir der Gesamtzusammenhang fehlt, da ich die Vorlage nicht kenne, doch als Film an sich hat „Watchmen“ für mich nicht so ganz funktioniert.

    Gesehen habe ich übrigens nur den Kinocut, welchen ich aber teils schon als zu langatmig empfand. Doch mal sehen, vielleicht bekommt der Film ja noch eine Chance wenn ich das Comic gelesen habe und der Ultimate Cut günstiger ist – und nicht vergessen: 6/10 Punkte ist ja keine schlechte Wertung, aber eben auch keine allzu gute…😉

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  3. Haha, manchmal schon lustig. Im Großen und Ganzen haben wir bei Filmen ja so ziemlich die gleiche Meinung, und auch die Bewertungen fallen immer fast gleich aus. Aber nimmt man dann mal Avatar und Watchmen…😉
    Hab ich auch irgendwann schon mal geschrieben, für mich passt Watchmen perfekt. Sowohl Kinofassung als auch Directors Cut (welcher noch um einiges blutiger ist. USA eben…). Welchen ich erst am Wochenende gesehen habe.
    Lustigerweise fand ich den Film auch keineswegs langatmig. Für mich waren die 2 1/2 Stunden des Kinocut verdammt schnell vorbei.
    Mir hat, ebenso wie Inishmore der Film besser gefallen als der Comic. Um einiges. Der Comic war zwar auch gut, aber so manchen Einfall fand ich da weniger gelungen. Hol dir dann am besten gleich die längere Ausgabe im englischen Original.

    Naja, wie auch immer, der Film wurde ja von vielen als Enttäuschung empfunden, aber hauptsächlich von denen, die einen Superheldenfilm á la X-Men oder Fantastic 4 erwartet haben.

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  4. Ich hatte bei „Watchmen“ auch keinen klassischen Superheldfilm erwartet. Mich haben auch eher die Szenen gestört, in denen die Wächter als obercoole Kampfmaschinen präsentiert wurden. Das passte irgendwie nicht zur düsteren Grundstimmung.

    Ich weiß auch nicht. Ich fand einfach keinen Zugang zum Film. Besonders die Charaktere ließen mich erschreckend kalt. Da kann die Story an sich noch so gut sein, doch wenn ich mit den Figuren nicht mitfühlen kann, dann hilft selbst die schickste Inszenierung nicht.

    Wenn ich den Comic kenne will ich dem Film – dann auch bestimmt im Director’s oder Ultimate Cut – noch eine Chance geben. Habe ja auch schon viel Gutes über ihn gelesen, doch im Moment überwiegt einfach noch die Enttäuschung.

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  5. Ich muss sagen, dass ich gerade diese viel zu sehr auf Coolness ausgerichtete Erzählweise an Watchmen so toll finde. Das wirkt so herrlich theatralisch und pathetisch wie in keinem anderen Film. Der Comic liegt seit Weihnachten hier rum, habe mich noch nicht aufraffen können, ihn endlich mal zu lesen…😐

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  6. Mein Comic ist gerade angekommen (die UK-Version ist ja herrlich günstig) und ich bin schon sehr gespannt, wie er mir wohl gefallen wird. Ich fand bereits Moores „From Hell“ toll (wenn auch anstrengend) und bin sicher, dass auch bei „Watchmen“ die Vorlage den Film um Längen schlagen wird. Aber mal sehen…

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  7. Obwohl ich den Comic kenne und wie die meisten für ein absolutes Meisterwerk halte, mag ich den Film dennoch sehr gerne. Dass so viele Kritiker bemängeln, Zack Snyder habe die Vorlage nicht verstanden, kann ich nicht nachvollziehen. Natürlich ist es erstmal unmöglich, einem derartig komplexen Werk in zwei Stunden vollends gerecht zu werden. Danach macht auch das geänderte Ende vollkommen Sinn, weil es eben wesentlich geradliniger ist und seinen Zweck letztlich vollkommen erfüllt (und vor allem nicht das Hollywood-typische Kitsch-Finale bietet). Die zerfahrene Handlung, die du bemängelst, na ja … vermutlich stehe ich einfach auf so was. Dass es dir nicht so gut gefallen hat, kann man nicht ändern. (Den Graphic Novel lege ich dir trotzdem ans Herz.) Für mich auch nach der Zweitsichtung eine der wenigen überragenden Comic-Verfilmungen, für die ich 9/10 Punkten absolut gerechtfertigt halte.

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  8. Aber man muss eindeutig sagen, dass mir die Idee im Film besser gefallen hat als im Comic. Ich fand das irgendwie dämlich. Da war der Einfall im Film um Längen besser.

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  9. @Dr. Borstel: Inwiefern Snyder die Vorlage verstanden hat, kann ich noch nicht beurteilen. Natürlich wird man bei einer Adaption immer Abstriche machen müssen, doch gibt es auch da qualitative Unterschiede. Mal sehen, wie ich das nach Lesen des Comics empfinde.

    Die zerfahrene Handlung war in meinen Augen einfach nur zerfahren – und das sehe ich so, obwohl ich normalerweise auf komplexe und chronologisch nicht geradlinige verlaufende Geschichten stehe…😉

    @Lars: Auch das werde ich erst beurteilen können, wenn ich den Comic gelesen habe. Ich sehe schon, ich sollte mich ranhalten.

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  10. Ich habe deine Kritik deinen Verriss schon gelesen. Ganz so haarsträubend fand ich die Geschichte dann doch nicht erzählt, aber ich kenne ja auch die Vorlage noch nicht. Allerdings liegt sich schon bereit und wartet darauf gelesen zu werden.

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