Illuminati – OT: Angels & Demons (2009)

Als ich die Vorlage zu Ron Howards „Illuminati“ las, sprach noch niemand von Dan Brown. Das Buch war einfach ein weiteres unter dutzenden von Spannungsromanen. Umso größer war deshalb vermutlich die mitreißende Sogwirkung, die von der unerwarteten Vermengung aus religiös angehauchtem Verschwörungsthriller und High-Tech-Schnitzeljagd ausging. Beste Unterhaltung, die ich an einem einzigen langen Tag verschlungen hatte.

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Der Nachfolgeroman schwamm schließlich auf den Wellen des Hypes, welche auch den Vorgänger wieder an die Oberfläche spühlten. Die Verfilmung von „Sakrileg“ bzw. „The Da Vinci Code“ war für mich eine riesengroße Enttäuschung. Tom Hanks als Robert Langdon? Unfassbar. Zudem ließ Ron Howards Inszenierung jegliches Timing vermissen. Es wurde versucht den Roman 1:1 auf die Leinwand zu bringen, was in einem zähen und dennoch unvollständigen Stück Zelluloid endete. Dennoch wollte ich mir „Illuminati“ im Kino nicht entgehen lassen, zumal ich die Vorlage um ein ganzes Stück stärker fand und auf die Visualisierung von bestimmten Szenen gespannt war.

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: „Illuminati“ ist stärker als sein filmischer Vorgänger. Nicht viel, aber immerhin. Tom Hanks hat zudem eine bessere Frisur bekommen. Die Schnitzeljagd wird temporeich inszeniert und für das Auge wird so einiges geboten. Besonders wenn man bedenkt, dass dem Filmteam ein Zugang zu Vatikanstadt verweigert wurde. Beachtlich. Dennoch beschleicht mich erneut das Gefühl, dass sich der Film viel zu ernst nimmt und mehr sein will, als er eigentlich ist. Das Buch war ein herrlich übertriebener Reißer (man denke allein an die Flugeinlagen Langdons), was in der Verfilmung nicht mehr allzu oft rüberkommt. Schade, aber immerhin unterhaltsam.

Was dem Film beinahe den Todesstoß versetzt ist jedoch die deutsche Synchronisation. Warum um alles in der Welt hat man trotz Erkrankung auf Arne Elsholtz zurückgegriffen? Tom Hanks bzw. Robert Langdon hört sich den gesamten Film über an wie Biene Majas Willi. Dabei hätte man mit Joachim Tennstedt doch eine passable Alternative zur Hand gehabt. Somit verkommt „Illuminati“ über große Strecken zur unfreiwilligen Komödie und ich kann jeden Kinobesucher nur vor der deutschen Fassung warnen. Lieber auf die DVD warten oder ein Fremdsprachenkino besuchen. Es lohnt sich!

Insgesamt bietet „Illuminati“ gute Kinounterhaltung, wenngleich man keine Wunder erwarten sollte. Man hätte mehr daraus machen können, doch so ist das wohl immer mit Adaptionen. Einen dicken Punkt Abzug gibt es jedoch für die Synchronfassung. Darüber kann man einfach nicht hinwegsehen. Wie heißt es so schön? Kann man sehen, muss man aber nicht: 6/10 Punkte.

14 Gedanken zu “Illuminati – OT: Angels & Demons (2009)

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  2. Hm, das seh ich anders. Ich hab keines der Bücher gelesen und fand „Illuminati“ deutlich schwächer als den „Da Vinci Code“. Einfach, weil es in Illuminati keine wirkliche Schnitzeljagd gab, sondern immer nur innerhalb einer Stunde zu einem bestimmten Punkt gefahren werden musste, um da dann knapp zu spät zu sein und das nächste Etappenziel rauszufinden (was immer sehr leicht und schnell ging).
    Der Da Vinci Code war da deutlich kniffliger und spannender anzusehen.

    Und danke für den Hinweis, das der Synchronsprecher krank war. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass der Sprecher eine geschwollene Lippe hatte und in manchen Szenen hab ich die dann an Tom Hanks sogar gesehen! Sehr strange…

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  3. Ich werde „The Da Vinci Code“ demnächst auf DVD noch eine Chance in der Extended Version geben, von der ich mir mehr Ausgewogenheit erwarte. Damals hatte ich den Film kurz nachdem ich das Buch gelesen hatte gesehen und war wirklich maßlos enttäuscht. Der zeitliche Abstand zur Vorlage kam „Angels & Demons“ bei der gestrigen Sichtung betimmt zugute. Ich hatte den filmischen Vorgänger – noch vor meiner Blogzeit – damals übrigens mit 5/10 Punkten bewertet.

    Das mit Tom Hanks geschwollener Lippe kann ich übrigens sehr gut nachvollziehen. Auch ich hatte mir irgendwann eingebildet die Entsprechung der verknautschten Aussprache in seinem Gesicht zu erkennen. Besonders in der ersten halben Stunde war ich ständig am kichern und froh um jede Szene, in der Hanks nicht zu sehen war. Was für ein Schuss in den Ofen. Wahnsinn.

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  4. Das sehe ich wie Donvanone, „The Da Vinci Code“ war doch deutlich besser als „Illuminati“. Der erste Film hat noch viel mehr zum mitdenken angeregt, war verzwickter und aufschlussreicher, als Illuminati. Hier geht es doch zu sehr um Rennerei zu irgendwelchen Punkten, mit Mini-Hinweisen und ähnlichem Kram. Illuminati ist für mich kein Film, den ich mir ein zweites mal anschaue, ganz im Gegensatz zum „Da Vinci Code“, der ja auch noch einige fantastische Einzelszenen in die Vergangenheit hat.

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  5. Vielleicht fassen Kenner und Nichtkenner der Vorlage die beiden Filme grundsätzlich anders auf. Wäre interessant hier noch eine weitere Meinung eines Lesers zu hören. Zumindest in meinem Freundeskreis waren wir uns einig, dass „The Da Vinci Code“ damals ziemlich vergeigt wurde. Zumindest bezogen auf die Kinoversion.

    Auch für mich ist „Illuminati“ nicht so gut, dass eine Zweitsichtung gerechtfertigt wäre. Sollte jedoch auch hierzu eine erweiterte Fassung erscheinen, würde ich bestimmt noch einmal reinschauen. Kann dem Film nur zugute kommen.

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  6. Stimmt, das könnte vielleicht einiges verbessern. Denn wie thwidra schon sagte: eine Rennerei zu irgendwelchen Punkten – mehr ist das ganze leider nicht geworden (sage ich mal als Nicht-Kenner der Vorlage).

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  7. Ja, das eigentliche Lösen der Rätsel bzw. Entziffern der versteckten Hinweise kam eindeutig zu kurz und nimmt viel von der mysteriösen Grundstimmung der Geschichte. Doch solange der Film genug einspielt ist eine erweiterte Fassung so sicher, wie das Amen in der Kirche…😉

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  8. Vielleicht fassen Kenner und Nichtkenner der Vorlage die beiden Filme grundsätzlich anders auf. Wäre interessant hier noch eine weitere Meinung eines Lesers zu hören.

    Ich hab zuerst „Sakrileg“ (in der Extended)gesehen, und dann den Roman gelesen. Wohingegen ich bei „Illuminati“ erst den Roman gelesen habe, bevor dann die Verfilmung in die Kinos kam. Ich persönlich bin der Meinung, dass die beiden Filme so ziemlich auf einem Niveau spielen, wobei ich „Sakrileg“ einen Tick besser sehen würde, da dort imho die Athmosphäre noch ein wenig stimmiger, und die Nebenrollen besser besetzt waren.

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  9. Na, das ist doch einmal eine interessante Aussage. Die Besetzung der Nebenrollen hatte mir in „Sakrileg“ übrigens auch besser gefallen, wenngleich ich den Film insgesamt allerdings zu unrund fand. Doch anscheinend kann ich mir nun ja Hoffungen auf eine Qualitätsverbesserung in der erweiterten Fassung machen.

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