Carnivàle – Season 1 & 2

Ungewöhnlich lange hat es gedauert, bis ich mich durch die Ausnahmeserie „Carnivàle – Season 1 & 2“ gekämpft hatte. Dies liegt einerseits bestimmt am momentanen Zeitmangel, andererseits allerdings auch an der Serie selbst. Diese nimmt teils lynchesque Formen an und ist somit nichts, was man mal eben zur lockeren Unterhaltung kurz vor dem Schlafengehen einschiebt. Man muss als Zuschauer am Ball bleiben, um die Serie voll und ganz genießen zu können. Tut man das wird man mit einem grandiosen TV-Ereignis belohnt.

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Der Inhalt lässt sich kurz und knapp zusammenfassen: Es geht um den klassischen Kampf zwischen Gut und Böse. Das Licht gegen die Dunkelheit. Die Rollenverteilung ist jedoch alles andere als klassisch. Die von der Gesellschaft Ausgestoßenen – die Zwielichtigen, die Freaks – sie sind die Helden dieser Geschichte. Unter den Dienern Gottes versteckt sich ihr Feind. All das ist zudem weit weniger eindeutig, als ich es hier beschreibe. Trotz des bekannten Themas gibt es kaum eindeutige Positionen. Die Figuren sind weit komplexer, als man das vermuten würde und die Handlung entwickelt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

„Carnivàle“ spielt zur Zeit der Depression. Eine dunkle Zeit. Eine Zeit, in der man eigentlich wohl kaum eine TV-Serie ansiedeln würde. Anfangs noch ungewohnt, zeigt sich hier die besondere Stärke der Geschichte: Sie wird durch Bilder unterstützt, wie man sie nur selten im Unterhaltungsfernsehen gesehen hat. Vor dem historischen Hintergrund wird zudem die Motivation der Figuren greifbar. Das Leben war verdammt hart. Besonders für das wandernde Volk. Teils wird man hier fast schon beiläufig mit Bildern konfrontiert (z.B. ein Vater bietet seine behinderte Tochter für Liebesdienste an), die einen so schnell nicht mehr loslassen.

In diesem historischen Setting wird eine Fantasygeschichte erzählt. Auch wieder nicht klassisch. Es gibt übernatürliche Elemente, die allerdings so eingebaut werden, dass sie nicht wie Fremdkörper wirken. In der leicht surrealen Welt des „Carnivàle“ scheint sowieso mehr möglich, als die Naturgesetze erlauben. Neben rein fantastischen Elementen nimmt die Geschichte großen Bezug auf die Bibel. Es gibt unzählige Anspielungen. Egal ob Namen oder Orte. Für bibelfeste Menschen ist die Serie dadurch vermutlich noch um einiges interessanter.

Ich bin wirklich schwer begeistert. Abzüge gibt es allein für das offene Ende. Eigentlich war die Serie auf 3 Kapitel à 2 Staffeln angelegt. Letztendlich hat HBO nur das erste Kapitel produzieren lassen. Das Serienende funktioniert auf gewissen Ebenen zwar recht gut, doch bei einer Serie die sich beinahe eine komplette Staffel für die Charaktereinführung zeitlässt, fällt das plötzliche Ende umso schwerer ins Gewicht. Dennoch unbedingt anschauen! Es lohnt sich: 9/10 Punkte.

14 Gedanken zu “Carnivàle – Season 1 & 2

  1. Für das Surreale bin ich ja immer zu haben. Mit Humor ist angesichts des Settings aber eher Essig, würde ich mal annehmen wollen. In jedem Fall meinen Dank für das Review. Jetzt weiß ich, woran ich bin, wenn mir die Serie über den Weg laufen sollte.

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  2. Die Serie ist teils schon sehr ernst und episch. Dennoch gibt es durchaus humorvolle Szenen, wenngleich auch diese eher etwas surreal angehaucht sind. Überhaupt ist die Atmosphäre sehr speziell – und das meine ich nur im positiven Sinne!

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  3. Ich habe ja mal in die erste Folge reingeschaut, aber ich bin nicht durchgestiegen und war wohl auch zu ungeduldig an diesem Tag… Was du schreibst, klingt eigentlich ganz gut. Ich sollte wohl also mal die Zeit und Geduld aufbringen, der Serie eine Chance zu geben.

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  4. Ich hatte anfangs auch wirklich Anlaufschwierigkeiten: Die fast schon übertrieben ruhige Erzählweise, die seltsamen Charaktere, die noch nicht greifbare Geschichte usw. machen es einem auch nicht leicht. Wenn man aber erst einmal drin ist, wird man wirklich belohnt. Spätestens ab Folge 5 (Babylon) gibt es kein zurück mehr.

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  5. Ich kenne bisher nur die erste Staffel (ich verschiebe die Bestellung in England fuer die zweiten Staffeln von „Carnivale“ und „Life on Mars“ dauernd), die hat mir aber schon sehr gefallen. Man muss sich aber auf das Erzaehltempo einlassen. Mir ist zuvor noch keine Serie untergekommen, die so langsam inszeniert ist. Aber sie entwickelt trotzdem eine erstaunliche Sogwirkung.

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  6. Exakt meine Beobachtung! Ich mag langsame Inszenierungen sowieso sehr gerne. Allerdings werden viele Zuschauer davon wohl auch abgeschreckt, da es etwas dauert bis die Sogwirkung eintritt. Dann aber richtig und bevor man sich umschaut ist die Geschichte schon wieder zuende. Dennoch großartig!

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  8. Eine der faszinierensten Serien, die ich je gesehen habe. Visuell vielleicht das Beste, was das Fernsehen bisher hervorgebracht hat. Bedingt durch die Komplexität der Story allerdings nichts zum nebenher schauen.
    Leider viel zu früh abgesetzt.
    Wer etwas mit Mystery und ruhigem Erzähltempo anfangen kann, der sollte unbedingt zugreifen.

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