A Scanner Darkly (2006)

Mit „A Scanner Darkly“ habe ich gestern einen der beeindruckendsten Filme meines bisherigen, persönlichen Filmjahres gesehen. Richard Linklater ist ja bekannt dafür nicht auf ein Genre festgelegt zu sein – wie er mit „Dazed and Confused“, „Before Sunrise“ oder „School of Rock“ bewiesen hat. Seine Philip K. Dick-Adaption fällt dennoch aus der Reihe – und das nicht nur durch den außergewöhnlichen visuellen Ansatz.

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Dennoch ist es – auf den ersten Blick – vor allem der Look des Films, der ihn von der Masse abhebt. Die Technik nennt sich Rotoscoping und wird bereits seit Jahren genutzt. Ralph Bakshis Version von Tolkiens „Der Herr der Ringe“ ist wohl einer der bekanntesten Vertreter dieses Subgenres des Animationsfilms. „A Scanner Darkly“ treibt diese Technik jedoch auf die Spitze: Klar definierte Linien. Harte Farbübergänge. Reduzierte Details. Und dennoch: Die zugrunde liegenden Darsteller sind stets eindeutig zu erkennen. Die Performance bleibt erhalten. Die Realität weicht allerdings den Zeichnungen. Das Ergebnis ist eine faszinierende Mischung, die künstlerisch absolut zu überzeugen weiß. Grandios. Besonders wenn man den Arbeitsaufwand bedenkt: Jeder Frame musste per Hand nachgezeichnet werden. Jeder. Wenn man bedenkt, wieviel Aufwand es alleine ist, eine exakte Maske über ein paar Frames hinweg zu zeichnen, bleibt mir nur den Künstlern meine Hochachtung auszusprechen: Das Ergebnis ist wahrlich famos!

Nun zum Inhalt: Philip K. Dick-Adaptionen gibt es wie Sand am Meer. Wenige können die Atmosphäre ihrer Vorlage einfangen (bestes Beispiel: „Blade Runner“) und noch wenigeren gelingt eine werkgetreue Umsetzung der Geschichte. „A Scanner Darkly“ funktioniert erstaunlich gut. Anfangs hatte ich etwas befürchtet, der Film würde sich (so wie teils „Fear and Loathing in Las Vegas“) in reinen Drogenepisoden verlieren. Doch es steckt mehr dahinter. Das Ende ist zudem erschreckend schlüssig. Typisch Philip K. Dick. Überhaupt kommt die düstere Atmosphäre Dicks recht gut rüber, was sich weniger in der Inszenierung und Farbgebung äußerst, sondern hauptsächlich durch Schauspiel, Dialoge und Stimmung transportiert wird – umso beeindruckender bei einem Film, der oberflächlich betrachtet besonders durch seine Optik hervorsticht.

Ich bin schwer begeistert von „A Scanner Darkly“. Ich hätte mir einzig einen etwas größeren Schwerpunkt auf den titelgebenden Scannern gewünscht und dafür ein paar weniger Drogenszenen. Trotz dieser kleinen Einschränkung, kann ich den Film dennoch jedem empfehlen, der sich auch einmal auf außergewöhnliche Seherfahrungen einlässt – auch inhaltlich, denn auch dort ist „A Scanner Darkly“ alles andere als Mainstream: 9/10 Punkte.

Fred: ‚What does a scanner see? Into the head? Into the heart? Does it see into me? Clearly? Or darkly?‘

22 Gedanken zu “A Scanner Darkly (2006)

  1. Ein weiterer Film auf meiner „Den müsste ich mir kaufen, vielleicht gibt es den irgendwo günstig oder ich warte halt eben noch ein Weilchen, bis der Preis gesunken ist“-Liste. Wobei diese Liste einfach nicht kürzer werden will *seufz*

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  2. Wie wahr, wie wahr. Glücklicherweise hatte ich durch diverse Umfrageinstitute noch 25,00 Euro an Gutscheinen, die ich ganz dreist auf den Kopf gehauen habe. So bin ich dann u.a. in den preiswerten Genuss von diesem kleinen Meisterwerk gekommen, das ich – um es noch einmal zu sagen – wirklich empfehlen kann.

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  3. Kann mich deiner euphorischen Kritik leider nicht anschließen. Optisch durch das Rotoskop-Verfahren sicherlich geeignet für die Geschichte ist diese jedoch zu komplex um allein durch ihre Erscheinung getragen zu werden. Kann aber verstehen, dass gerade dir das besonders ins Auge gefallen ist.

    Das zentrale Thema, nämlich was Drogen bei Menschen angerichtet haben und immer noch anrichten geht im Film aber verloren, weil Linklater nur die (tragisch) lustigen Szenen des Romans zusammenbastelt, damit der Zuschauer unterhalten wird. Fehlbesetzt ist der Film meiner Meinung auch.

    Aber hier scheiden sich wieder die Geister🙂

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  4. Für mich sind die Auswirkungen der Droge eigentlich recht gut greifbar geworden. Besonders, was die Figur von Fred bzw. Bob angeht. Durch die Aufzählung von Dicks Freunden, die den Drogen zum Opfer gefallen sind, hat der Film die Ausweglosigkeit noch einmal unterstrichen. In Bezug auf die Drogen sicherlich kein zweiter „Trainspotting“, aber dennoch sehr deutlich in seiner Aussage.

    Wie du bereits richtig festgestellt hast: Wieder einmal ein Film, an dem sich die Geister scheiden.🙂

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  5. Aber die Gewichtung der Auswirkung durch die Drogen ist im Film viel Klarer. Wenn du das Buch mit dem Film vergleichst merkst du, dass Linklater 75% des Filmes mit dem komischen Material des Buchs gefüllt hat.

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  6. Dagegen kann ich nun keinen Einspruch einlegen. So richtig komisch fand ich allerdings auch keine Szene im Film. Es gab stets einen bitteren Nachgeschmack. Und eine wirklich grandiose Optik, die mich vielleicht auch etwas blind für so manche Unzulänglichkeit in der Handlung gemacht hat.

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  7. ich hatte ihn mir damals für 50 ct aus der Robotervideothek geholt.

    Die Handlung hat mir super gefallen insbesondere wegen des bitteren Endes und die Optik war auch einmalig.

    Danke für den Tipp mit dem Autor, da werde ich gleich mal stöbern gehen.

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  8. Pingback: Before Sunrise « Tonight is gonna be a large one.

  9. Pingback: Blogparade: My 100 Greatest Films of the 21st Century (So Far) | Tonight is gonna be a large one.

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