Children of Men (2006)

Gestern Abend habe ich mir endlich Alfonso Cuaróns „Children of Men“ angesehen. Wieder ein Film, bei dem ich mich ärgere, ihn nicht auf der großen Leinwand gesehen zu haben. Doch hätte auch dieses Erlebnis kaum die Intensität der gestrigen Sichtung übertreffen können.

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Alfonso Cuarón hat mit „Children of Men“ eine düstere Zukunftsvision erschaffen. Eine Art von Film, wie sie seit den 70ern nicht mehr gemacht werden. Die Adaption von P.D. James‘ Roman erinnernt am ehesten an verstörende Utopien, wie „Soylent Green“ oder „Fahrenheit 451“. Der Film ist dreckig, es liegt eine beständige Hoffnungslosigkeit in der Luft und es gibt keine Helden. Damit erhebt sich „Children of Men“ über den Status eines reinen Unterhaltungsfilms. Er hat eine Aussage. Mag man ihn nun als Kommentar zur Globalisierung, als Warnung vor dem Klimawandel oder als Analogie zu heutigen Krisengebieten sehen. Der Film funktioniert. Er funktioniert auf all diesen Leveln.

Die Geschichte an sich ist eher einfach. Eine Rettungsmission. Von A nach B. Doch den Film darauf zu reduzieren wäre nicht nur oberflächlich, es wäre schlicht falsch. Man sieht die Welt durch die Augen von Theo Faron. Einem Mann ohne Zukunft. Ohne Hoffnung. Auf seiner Reise erhascht man unzählige Eindrücke einer kranken Welt. Einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Die im Jahre 2027 – in dem der Film angesiedelt ist – bereits seit langer Zeit aus den Fugen geraten ist. Durch das Aufkeimen von Hoffnung wird Theo wieder ein Sinn in seinem Leben gegeben. Er wandelt nicht mehr wie tot durch diese kranke Welt. Er hat ein Ziel und muss sich deshalb mit dieser Welt auseinander setzen.

Was mich bei „Children of Men“ wirklich umgehauen hat, ist die Inszenierung. Alfonso Cuarón erschafft eine Welt, wie sie glaubhafter und beängstigender nicht sein könnte. Man fühlt sich nicht wie 20 Jahre in der Zukunft. Das ist jetzt. Heute. Der Zuschauer ist live dabei. Wenn Bomben explodieren, wenn Immigranten über den Haufen geschossen werden, wenn es keine Hoffnung mehr gibt. Unglaublich. Unglaublich intensiv. Ich war selten so beeindruckt von der Art der Inszenierung. Ganz groß. Ich möchte nicht wissen, wie der Kameramann bei der finalen Häuserschlacht geschwitzt hat, die – mindestens 5 Minuten lang – ohne einen einzigen Schnitt auskommt. Ich kann es nur noch einmal sagen: Unglaublich!

Trotz seiner grandiosen Wirkung ist der Film nicht fehlerfrei. The Human Project als MacGuffin erschien mir etwas plump. Ebenso die Ehrfurcht der militärischen Einheit vor dem Baby. Auch das Ende hat mich letztendlich nicht 100%ig überzeugt. Doch das sind alles nur Nebensächlichkeiten in einem wirklich herausragenden Film.

Bei den Schauspielern überzeugt allen voran einmal wieder Clive Owen, dem man den gebrochenen Helden voll und ganz abnimmt. Auch Michael Caine als Althippie hat seine Momente und auch der Rest des Casts fügt sich grandios in diese düstere Zukunft ein. Erwähnen muss ich auch noch die grandiosen VFX. So ist z.B. in der Geburtsszene das Baby vollständig computeranimiert. Wirklich grandios gemacht und nicht – zumindest auf den ersten Blick – zu erkennen.

„Children of Men“ sollte man wirklich gesehen haben. Hinter der oberflächlichen Haupthandlung steckt so viel mehr. Alfonso Cuarón hat sich meiner Meinung nach selbst übertroffen. Ich hoffe der Film wirkt bei der nächsten Sichtung noch genauso intensiv: 9/10 Punkte.

13 Gedanken zu “Children of Men (2006)

  1. Der war wirklich ganz groß, ich würde fast sagen, eines der Highlights des Kinojahres überhaupt. Allein die Szene mit der Explosion hat mich vollkommen umgehauen. Clive Owen und Michael Caine, das ist quasi coole Sau old style und coole Sau new style.

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  2. Ich möchte dir da absolut zustimmen. Ich habe mir zusätzlich noch auf der DVD das Bonusmaterial und Making Of angeschaut, was sich wirklich wirklich lohnt- die Machart des Filmes ist einzigartig, kaum Szenenschnitte (die Wirkung auf den Film ist unbestreitbar, eines der besten Mittel um die Message rüberzubringen, meiner Meinung nach) und alles ziemlich flüssig und realistisch laufen lassen.

    Ich war eigentlich ziemlich ehrfürchtig vor dem Ende, und mich persönlich hat es doch sehr überzeugt- das Militär, das plötzlich stillsteht und die ganze Welt, dass sich um das Neugeborene dreht machten für mich sogar so viel Sinn, dass ich fast weinen musste, es repräsentierte ja die Hoffnung auf weiteres Leben und MUSSTE ja jeden einzelnen tief im inneren berühren.

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  3. @ Inishmore: Die Explosion war grandios. Bin richtig zusammengezuckt. Im Kino muss das einen ja förmlich umgehauen haben.

    @ Lucky#Slevin: Ich habe mir gestern das Making Of-Material auch noch angesehen. Sehr lehrreich und beeindruckend.

    Mich hat die Militär-Szene auch emotional berührt. Keine Frage. Die Ehrfurcht ist auch in gewissem Maße nachzuvollziehen. Doch glaube ich, dass in solch einem Hexenkessel die Menschen ihr persönliches Schicksal dem der Menschheit voranstellen würden. Mit Sicherheit sagen kann ich es natürlich nicht.😉

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  4. Den Film hab ich mal ausnahmsweise im Kino gesehen und ich war absolut begeistert. Hatte auch darüber geschrieben…
    http://caipi.wordpress.com/2006/11/13/spontaneitat/

    Kann dir bei deinen Punkten zur Inszenierung nur zustimmen: Ich wurde permanent an die jüngere deutsche Geschichte erinnert- und das in diesem Zukunftsszenario. Hat schon ein bisschen Angst gemacht…

    Und düster war der Film- wahnsinn. Ich muss allerdings die Jugendfreigabe bemängeln: Ab 12 ist zu wenig. Frühstens 16… Wenn ich da an einige Szenen denke, holla die Waldfee.

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  5. War aber auch gut, dass der Film so düster war. Realistisch eben – soweit man das von einem im Jahre 2027 spielenden Film behaupten kann.

    Die Freigabe ist allerdings schon FSK16. Hab die DVD hier stehen und war auch schon im Kino so. Ausnahmsweise also keine Fehlentscheidung der FSK…😉

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