Kill Bill: Vol. 1 (2003)

Mit Quentin Tarantino verbinde ich einen großen Teil meiner Filmleidenschaft. Ich habe zwar schon immer gerne Filme gesehen, doch erst „Pulp Fiction“ hat meine Liebe zu den bewegten Bildern entfacht. Mit „Jackie Brown“ durfte ich erstmals einen Film des Meisters im Kino erleben. Danach wurde es für längere Zeit erneut still um den größen movie geek von uns allen. Umso mehr habe ich mich nach der Ankündigung auf „Kill Bill: Vol. 1“ gefreut. Eine Vorfreude, die sich letztendlich ausgezahlt hat.

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Wie auch bei den vorhergegangenen Tarantinofilmen, gab es im Vorfeld von „Kill Bill“ viel Gerede um Gewaltverherrlichung und verschiedene Schnittversionen. Der Unterschied zu den sonstigen Gerüchten: Dieses Mal ist etwas dran. „Kill Bill“ wurde zweigeteilt und zudem ist extra für den japanischen Markt eine härtere Fassung veröffentlicht worden. Seitdem warten Fans auf der ganzen Welt – oder zumindest die mit Internetanschluss – auf eine vollständige Schnittversion. Ich stehe dem etwas skeptisch gegenüber. Zumindest was die Zusammenführung beider Volumes betrifft, denn ich kann mir „Kill Bill“ – so gelungen er ist – nicht wirklich als vierstündiges Epos vorstellen.

Wenn ich schon einmal bei verschiedenen Fassungen des Films bin: Die zensurbedingte in schwarz/weiss gehaltene Kampfszene kann mich nicht einmal als Pseudostilmittel überzeugen. „Kill Bill“ lebt von seinen knalligen Farben, seiner comichaften Gewaltdarstellung und der entsprechenden Inszenierung. Leider geht all das mit der Entsättigung der Farben verloren. Uma Thurman steckt nicht umsonst in einem knallgelben Anzug. Wirklich schade. In der internationalen Fassung wirkt diese Sequenz für mich somit etwas fehlplatziert. Dennoch ist dieser Versuch der künstlerischen Selbstzensur wenigstens ein interessanter Ansatz.

Nachdem nun die Rahmenbedingungen abgeklärt sind, komme ich zum eigentlichen Film: Wow! Tarantino überrascht immer wieder aufs Neue. „Kill Bill“ ist der Spaghettiwestern unter den asiatischen Revengemovies. Grandios, wie Tarantino die Genres plündert und ihre Versatzstücke geschickt zu etwas kombiniert, das in dieser Form noch nicht da war. Die Geschichte ist simpel. Es geht um Rache. Nicht mehr und nicht weniger. Dabei ist eher der Weg das Ziel. Der Weg und wie dieser inszeniert wurde. Poppig bunt mit ungewohnten Stilmitteln, äußerster Brutalität und stets einem augenzwinkernden Humor. Dieser bunter Cocktail ist dabei in sich erstaunlich konsistent. Macht Spaß und definitiv Lust auf mehr.

Uma Thurman ist die perfekte Darstellerin für die Rolle der Braut. Lucy Liu eine ebenso imposante Gegenspielerin. Die restlichen Figuren gehen etwas unter. Das ist auch etwas mein Problem mit dem Film. Außer der Braut gibt es keine Identifikationsfiguren und sie selbst ist nur von der Rache geleitet. Dies funktioniert zwar tadellos, doch die wortreichen Personenkonstellationen – die bisher in allen Tarantinfilmen vertreten waren – fehlen mir dann doch etwas. Aber vielleicht folgt das noch in Volume 2, den ich bisher leider noch nicht sehen konnte. Es sind leider oft die Filme, auf die man ewig wartet, für deren Kinosichtung sich partout keine Zeit finden lassen will.

„Kill Bill: Vol. 1“ hat mir dieses Mal fast noch besser gefallen, als damals im Kino. Es braucht aber bestimmt noch einige Sichtungen, damit der Film zu seinen Vorgängern aufschließen kann. Ich bin nun auf jeden Fall erst einmal sehr gespannt auf Volume 2: 9/10 Punkte.

12 Gedanken zu “Kill Bill: Vol. 1 (2003)

  1. Ich muss zugeben bei mir war es in Sachen „Kill Bill: Vol1“ eher Liebe auf den zweiten Blick. Es war reichlich Hintergrundwissen nötig, um die ganzen Verbeugungen an Material Arts und den japanischen Filmen a la „Hanna-bi“ & Co. auch zu verstehen. Aber wenn es dann soweit ist, finde ich eine 9/10er Bewertung durchaus berechtigt.

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  2. Stimmt. „Kill Bill“ ist eine einzige große Verbeugung vor dem asiatischen Kino – insbesondere dem japanischen. Bei Tarantino ist es sowieso stets von Vorteil sich in seiner Filmwelt auszukennen. Dann hat man am meisten Spaß.

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  3. Bin ebenfalls großer Kill Bill-Fan, von Tarantinos Filmen gefallen mir die beiden bisher auch am besten. Mit Kill Bill Vol. 1 ist Geschmacklosigkeit vermutlich noch nie so geschmackvoll inszeniert worden. Und Vol. 2 gibt dem ersten Teil eigentlich erst Tiefe, da wird viel mehr erklärt und geredet, also mehr Personenkonstellationen. Wenngleich da auch eine geniale Szene drin ist. (Ich verrate jetzt aber nicht, welche.😉 )

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  4. Da ich mir Volume 2 heute Abend vermutlich zum ersten Mal ansehen werde, steigerst du meine Vorfreude nun ungemein!😀

    Wäre ja gelacht, wenn „Kill Bill“ in seiner Gesamtheit nicht hundertprozentig zu überzeugen wüsste. Vielleicht muss ich meine Meinung bezüglich des vierstündigen Epos ja auch noch einmal überdenken.

    Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt auf die eine geniale Szene…😉

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  5. Den zweiten Teil habe ich leider auch noch nicht gesehen, aber (Standardausrede) er steht auf meiner Ausleihliste. Vom ersten Teil hatte ich nicht nur Gutes gehört und daher mehr halbaufmerksam eingeschaltet, als er im Fernsehen lief. Aber der Film hat mich gepackt und begeistert, mir gefällt auch gerade die etwas reduziertere Story. Das Rachemotiv ist so stark, dass der Film einen mitreißt.

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  6. Wenn du Volume 1 bisher nur aus dem TV kennst, dann empfehle ich dir eine nachträgliche Sichtung auf DVD. Die Fernsehversion war leider ziemlich gekürzt – und gerade bei diesem Film trägt die übersteigerte Gewaltdarstellung doch sehr zur gelungenen Atmosphäre bei.

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