Tintenblut (Cornelia Funke)

tintenblut.jpgGerade habe ich den zweiten Teil von Cornelia Funkes Tintenwelt-Saga zu Ende gelesen. Bereits der Vorgänger „Tintenherz“ hat mir ausgezeichnet gefallen und ich konnte die Fortsetzung kaum erwarten. So geht es mir nun auch mit „Tintenblut“. Hier wiegt das Fehlen eines wirklichen Endes noch schwerer, da es sich um den Mittelteil einer Trilogie handelt – dem Teil, der dem Leser den Abschied von einer Geschichte dramaturgisch am schwersten macht.

„Tintenblut“ hat alles, was ich mir von der Fortsetzung erhofft hatte: Alle liebgewonnenen Figuren sind wieder mit von der Partie und der Schwerpunkt der Handlung verlagert sich in die Tintenwelt. Zudem schafft es Cornelia Funke ihren wunderbaren Stil auszubauen. Die Beschreibungen von Fenoglios Welt wirken so lebendig, als wäre man selbst dort. Als könnte man selbst die Feuerelfen tanzen sehen, die Gefahren des Weglosen Walds spüren oder das knisternde Feuer tanzen hören. Wunderschön. Einfach und flüssig zu lesen und doch ist die bildreiche Sprache voller Poesie.

Von der Handlung konnte mich „Tintenblut“ – betrachtet man es als Einzelwerk – nicht so vollständig überzeugen, wie der Vorgänger. Dort war die Dramaturgie runder und der Spannungsbogen ausgewogener. Doch auch das ist typisch für den Brückenteil einer Trilogie. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse jedoch fast und lassen den involvierten Leser voller Trauer und Spannung zurück. Das Warten auf den finalen Roman fällt nun mindestens genauso schwer, wie das Warten auf den letzten Teil einer anderen berühmten Kinderbuchreihe.

Betrachtet man „Tintenblut“ und seinen Vorgänger als Kinderbücher, wird man ihnen nicht gerecht. Wie bereits bei „Harry Potter“ handelt es sich hier um waschechte Fantasyromane: Hier wird geblutet, geliebt und gestorben. Kinder spielen zwar eine große Rolle, doch wird die Geschichte nicht nur durch ihre Augen erzählt. Durch den wechselnden personalen Erzähler schlüpft man als Leser in jede Figur und kann somit jeden Standpunkt nachvollziehen. Der Autorin gelingt dieser Wechsel ganz famos, wodurch jedem einzelnen Charakter ein großer Stellenwert in der Tintenwelt eingeräumt wird. Sehr gelungen.

Cornelia Funkes Trilogie ist vor allem für Menschen, die Bücher lieben. Noch nie habe ich solch liebevolle Würdigungen von anderen Werken der – zugegebenermaßen – Kinder-, bzw. Jugendliteratur gelesen. Das Lesen – und damit das Abtauchen in fremde, unbekannte Welten – wird als eine Kunst gefeiert, die heute leider zu vielen Menschen abgeht. Ich für meinen Teil kann den Abschluss der Trilogie kaum erwarten: 9/10 Punkte.

Übrigens wird gerade an einer Verfilmung von „Tintenherz“ gearbeitet. Cornelia Funke überwacht dabei die Dreharbeiten persönlich, was mir ein gutes Gefühl gibt. Auch Iain Softley, der mich bereits mit „K-PAX“ überzeugen konnte, als Regisseur und Brendan Fraser als Mo lassen die Vorfreude auf den Herbst 2007 steigen.

4 Gedanken zu “Tintenblut (Cornelia Funke)

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