Archiv für die Kategorie ‘05 Literatur’

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Der Meister (Tess Gerritsen) / Hörbuch

November 13, 2009

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Da ich aufgrund von Kopfschmerzen die letzten Tage nur eingeschränkt lesen oder Bildschirme betrachten konnte, habe ich mich – dank Audible-Abo von Frau bullion – Tess Gerritsens „Der Meister“ als Hörbuch gewidmet. Da ich dieses Mal relativ konsequent dabei bleiben konnte, stand die Hörerfahrung dem Lesen in nahezu nichts nach.

„Der Meister“ schließt direkt an seinen spannenden Vorgänger „Der Chirurg“ an. Die Gewichtung der Hauptpersonen verschiebt sich etwas, was der Geschichte zugute kommt und man hat nicht das Gefühl nur einen Abklatsch des ersten Teils zu lesen bzw. zu hören. Insgesamt betrachtet ist Jane Rizzolis zweiter Fall – das unspektakuläre Finale einmal außen vor gelassen – nicht weniger spannend, als der vorangegangene. Jedoch konnte Gerritsen es nichts ganz vermeiden, dass sich redundante Muster einschleichen (z.B. Jane Rizzolis beständige Analyse der niederträchtigen Männerwelt).

Für meine aktuelle Situation bildete „Der Meister“ nahezu die perfekte Unterhaltung und sollte ich noch länger von Kopfschmerzen geplagt sein, werde ich garantiert wieder bei Frau Gerritsen reinhören. Wunderbar spannende Kriminalunterhaltung mit leider schwachem Finale: 7/10 Punkte.

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Die Chirurgin (Tess Gerritsen)

November 2, 2009

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Kaum hat man ein paar Tage Urlaub, kommt man doch tatsächlich wieder zum Lesen. Was sollte man an solch einem trüben Novembertag auch sonst machen? Dank Empfehlung meiner besseren Hälfte habe ich mich Tess Gerritsens „Die Chirurgin“ angenommen, einem Serienkillerthriller wie er im Buche steht.

Dieser erste Teil der inzwischen bereits sieben Bände umfassenden Krimireihe besticht durch Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Wirklich selten habe ich einen so beständig hohen Spannungslevel erlebt, der tatsächlich auch erst auf den letzten Seiten abfällt. Gerritsens flotter Schreibstil trägt zudem dazu bei, dass man gar nicht anders kann, als eine Seite nach der anderen zu verschlingen.

Die Handlung selbst ist sicherlich nicht sonderlich innovativ, doch dafür mit Charakteren gespickt, mit denen man mitfiebern kann. Man merkt, dass die Autorin medizinisches Hintegrundwissen hat und somit nicht an grausigen Details spart. Obwohl ich bei fiktiven Geschichten relativ abgehärtet bin, musste ich mehr als nur einmal Schlucken. Wahrlich nichts für Leser – und wohl besonders für Leserinnen – mit schwachem Magen.

Ich werde mir die Autorin auf jeden Fall merken und bin schon gespannt, wie sich ihre Romane unter normalen zeitlichen Umständen verhalten. Krimifreunden kann ich zweifelsfrei eine spannungsgeladene Empfehlung aussprechen: 8/10 Punkte.

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Burn Case (Douglas Preston/Lincoln Child)

Oktober 21, 2009

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Es ist wirklich erschreckend, wie lange ich für diesen Roman gebraucht habe. Dabei ist „Burn Case“ – ganz wie man es von Douglas Preston und Lincoln Child gewohnt ist – äußerst unterhaltsame Mysterykost. Beruflicher Aufstieg ist eben doch stets kontraproduktiv für die Freizeit.

Im ersten Teil der inoffiziellen Pendergast-Trilogie steht – wer hätte es gedacht? – unser beliebter Special Agent im Zentrum der Geschichte. Unterstützt wird er in diesem Fall von Vincent D’Agosta. Ein Charakter, den ich bereits seit „Relic“ sehr gern lese. Die Handlung beginnt mysterös und schon bald begibt man sich auf die Fährte des Leibhaftigen. Solange noch alle Möglichkeiten offen sind, macht der Roman auch am meisten Spaß. Nahezu perfekte Unterhaltung.

Leider ist die Auflösung gegen Ende nur allzu plump. Zwar recht spannend und actionreich geschrieben, doch nicht wirklich das, was ich mir erhofft hatte. Immerhin werden schon die Grundsteine für die folgenden beiden Romane („Dark Secret“ und „Maniac“) gelegt, welche bei mir nun allerdings noch etwas warten müssen.

„Burn Case“ bietet für Freunde des mysteriösen Agenten gute Unterhaltung, wenngleich man schon bessere Fälle gelesen hat. Im Gesamtkontext betrachtet ist die Geschichte wohl aber essentiell für die weiteren Entwicklungen und  daher man wohl auf jeden Fall ein Blick riskieren. Lesenswert, aber das geht noch besser: 7/10 Punkte.

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Mensch ohne Hund (Håkan Nesser)

August 12, 2009

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Nachdem ich für meinen letzten Roman eine halbe Ewigkeit gebraucht habe, konnte ich mich mit Håkan Nessers „Mensch ohne Hund“ endlich einmal wieder so richtig in eine Geschichte fallen lassen. Ein wunderbares Gefühl. Besonders in Zeiten des dringend nötigen Eskapismus.

Wie schon in dem bereits von mir gelesenen – und sofort ins Herz geschlossenen – Nachfolger „Eine ganz andere Geschichte“ fällt besonders der ungewöhnliche Aufbau dieses Kriminalromans auf. Bis die Hauptfigur Inspektor Gunnar Barbarotti die Bühne betritt dauert es knapp 200 Seiten. Davor bekommt der Leser ein äußerst schwarzhumoriges Familiendrama präsentiert, welches sich durch die gesamte Geschichte zieht und in deren Verlauf immer dürsterer wird.

Von der Geschichte her gesehen, lässt sich der Roman kaum mit seinem Nachfolger vergleichen. Natürlich behandelt er – oberflächlich betrachtet – auch einen Kriminalfall, doch wurde für den Aufbau ein komplett anderer Ansatz gewählt. Die Handlung wirkt dadurch etwas behäbiger und Inspektor Barbarotti verkommt fast zur Nebenfigur. Die Spannung zieht der Roman aus der komplexen Familienkonstellation. Selten habe ich solch einen zynischen Blick auf eine anscheinend heile Welt gesehen. Beinahe schon grausam in seiner Detaildichte.

Wie bereits beim Nachfolger war ich äußerst angetan von der ausgefeilten Sprache Nessers. Das Lesen macht richtig Spaß und man kann sich über diverse Wortspiele und einfallsreiche Satzkonstruktionen freuen. Wer gerne Krimis liest, die nicht dem bekannten Muster folgen, dem kann ich „Mensch ohne Hund“ nur ans Herz legen. Ganz großer Lesespaß: 9/10 Punkte.

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Mit Haut und Haar (Kathy Reichs)

Juli 26, 2009

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Nach gut eineinhalb Monaten habe ich endlich Kathy Reichs „Mit Haut und Haar“ beendet. Noch im Urlaub begonnen, musste ich mich bis zum Finale teilweise durch die Seiten quälen. Dies lag teils an der nur durchschnittlich spannenden Geschichte, teils aber auch an mangelnder Konzentration meinerseits. Der Kopf sollte zum Lesen eben frei sein.

Wie bin ich auf das Buch gekommen? Auf der Suche nach Urlaubslektüre hatte ich mich durch einen Berg von Mängelexemplaren gekämpft und bin dabei auf diverse Kathy Reichs-Romane gestoßen. Um mein Interesse zu verstehen, muss man vielleicht wissen, dass die von mir durchaus geschätzte TV-Serie „Bones“ auf den Vorlagen von Kathy Reichs basiert. Auch in diesen spielen die diversen Abenteuer der forensischen Anthropologin Temperance Brennan die Hauptrolle.

Wie ich feststellen musste war es das aber auch schon wieder mit den Gemeinsamkeiten. Außer dem Namen und dem Beruf der Hauptfigur gibt es wirklich keine Überschneidungen. Selbst die Charaktere sind völlig unterschiedlich ausgeprägt. Von den Handlungsorten oder Nebenfiguren einmal ganz abgesehen. Insofern war „Mit Haut und Haar“ für mich ein ziemlich durchschnittlicher Krimi. Ganz nett geschrieben mit durchaus entwickelten Figuren, aber von der Geschichte alles andere als packend. Zu viele Handlungsstränge, die plötzlich zusammenhängen, zuviele Charaktere und zu wenig Spannung.

Als Urlaubslektüre ganz okay, doch nichts worauf ich meine begrenzte Zeit im Alltag verschwenden würde. Da gibt es weit bessere Krimiautoren. Selbst Fans der Serie „Bones“ kann ich das Werk nur sehr bedingt ans Herz legen. Ganz nette Unterhaltung, aber eben auch nicht mehr: 6/10 Punkte.

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Killzone (Tom Piccirilli)

Juni 9, 2009

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Mein zweiter Urlaubsroman war „Killzone“ von Tom Piccirilli. Unbekannterweise als strandtaugliches Mängelexemplar gekauft und nach dem Überfliegen einiger Kritiken mit sehr geringen Erwartungen angegangen. Glücklicherweise kam dann doch alles anders.

Mein erster Roman aus der Heyne Hardcore-Reihe war Richard Laymons „Die Insel“, welcher eine interessante Grundidee hatte, sich aber vor allem durch schlecht geschriebene Teenagerfantasien auszeichnete. Warum Heyne Piccirillis Debütroman in die Hardcore-Ecke schieben will, ist mir jedoch unbegreiflich. Sex ist Mangelware und die Blut spritzt kaum. Ein klarer Fall von irreführendem Marketing, welcher mir jedoch zugute kam.

In „Killzone“ geht es in erster Linie um Verlust. Ein Vater ist auf der Jagd nach dem Serienmörder, der seine 5-jährige Tochter auf dem Gewissen hat. Schon seit Jahren. Was macht die Sache interessant? Der Mörder schreibt dem Vater kryptische Briefe und bezeichnet ihn als besten Freund. Zudem fordert er Vergebung indem er misshandelte Kinder entführt und sie den Familien seiner früheren Mordopfer auf die Türschwelle legt. Ein Kind für ein Kind.

Der Hauptcharakter ist alles andere als ein strahlender Held. Er ist völlig fremdbestimmt. Verlust, Rache, Wahnsinn. Mehr ist ihm nicht geblieben. Selten habe ich solch einen zynischen Roman gelesen. Man kann sich wirklich gut in diese düstere Welt einfühlen und der Wahn wird fast körperlich spürbar. Sehr gelungen. Leider jedoch beschränkt sich Piccirilli nicht auf die Gefühlswelt seiner Protagonisten, sondern macht Ausflüge in Richtung Action und verliert sich  zudem etwas in einem Nebenhandlungsstrang. Die Auflösung kommt zudem zu plötzlich, als dass man mit ihr zufrieden sien könnte. Muss man aber auch nicht und wäre der zynischen Stimmung des Romans vielleicht sogar abträglich.

Tom Piccirillis „Killzone“ hat mich wirklich positiv überrascht, wenngleich sich die gröberen strukturellen Fehler zu deutlich in den Vordergrund schleichen, als dass man sie ignorieren könnte. Interessant: 7/10 Punkte.

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Ritual (Douglas Preston/Lincoln Child)

Juni 9, 2009

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Dank einer Woche Strandurlaub bin ich endlich einmal wieder dazu gekommen ausführlich zu lesen. Nicht nur abends ein paar Seiten. Ein tolles Gefühl. Die ersten paar Tage habe ich – nach „Formula“ – wieder einmal mit Special Agent Pendergast verbracht. In „Ritual“ verschlägt es den FBI-Agenten ins ländliche Kansas, wo ein unheimlicher Serienkmörder sein Unwesen treibt. Ein typischer Preston/Child-Roman eben. Genau das Richtige für spannende und nicht zu anspruchsvolle Lektüre.

Auf den ersten hundert Seiten zieht sich die Geschichte meiner Meinung nach noch etwas, doch schon bald steigert sich das Tempo ziemlich, um letztlich in einem fulminanten Showdown zu enden. Zwar gewinnt die Geschichte dabei keine Originalitätspreise, doch ist sie so fesselnd, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Die ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden Pendergasts sind außerdem einmal wieder eine willkommene Abwechslung im Krimieinerlei.

Douglas Preston und Lincoln Child haben mit „Ritual“ erneut einen famosen Thriller abgeliefert, der genau soweit von der Relität entfernt ist, wie ich es gerne habe. Kein pseudorealer Ermittlungsroman, aber auch keine Fantasy. Damit treffen die beiden Autoren ziemlich genau meinen Geschmack. Die Vorangehensweise Pendergasts in der Kleinstadtwelt erinnert zudem an „Twin Peaks“, das temporeiche Finale an „The Descent“. Damit ist eigentlich alles gesagt. Einfach nur gute Unterhaltung: 8/10 Punkte.

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Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter (Christopher Paolini) / Hörbuch

Mai 3, 2009

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Nachdem ich den Roman vor einigen Jahren nach nur wenigen Seiten wieder aus der Hand gelegt hatte, habe ich nun über das letzte halbe Jahr verteilt Christopher Paolinis „Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“ als Hörbuch verfolgt. Eine durchaus angenehme Erfahrung, wenngleich ich es aufgrund des viel zu langen Zeitraums kaum wage eine fundierte Bewertung abzugeben.

Da ich den groben Ablauf der Handlung bereits aus der Verfilmung kannte, gab es in dieser Hinsicht keine Überraschungen. Natürlich wird die Geschichte in ihrer ursprünglichen Version viel ausführlicher erzählt und gewinnt dadurch bedeutend an Tiefe, was besonders den Charakteren zugute kommt. Somit stellt sich über den Verlauf der Handlung eine gelungene Fantasyatmosphäre ein. Besonders der Ausbildung Eragons wird ausreichend Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt, was seine Beziehung zu Saphira glaubwürdiger erscheinen lässt. Insgesamt wirklich nett anzuhören.

Oft kann die wunderbare Erzählstimme von Andreas Fröhlich jedoch nicht über inhaltliche Mängel hinwegtäuschen. Es werden zu viele Fantasyversatzstücke verarbeitet und manchmal erscheinen die Aktionen der Figuren viel zu naiv. Dennoch kann man auch als – oder besonders als – Fantasyfreund durchaus gefallen an „Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“ finden. Ausgesprochene Hörbuchfans dürfen meine Wertung gerne noch um einen Punkt ergänzen: 7/10 Punkte. Ich jedoch komme mit diesem Medium nicht so gut klar, wie ich es mir wünschen würde.

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Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden (Don Rosa)

April 28, 2009

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Wie bereits angekündigt habe ich mich seit langer Zeit einmal wieder nach Entenhausen begeben. Dafür wählte ich kein beliebiges Comic, sondern das Mammutwerk „Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden“ von Don Rosa. Eine detaillierte Biographie vom Aufstieg Dagobert Ducks zur reichsten Ente der Welt. Von seiner Kindheit in Schottland bis zur ersten Begegnung mit seinem Neffen Donald sowie Tick, Trick und Track. Ein episches Abenteuer.

Als Kind habe ich Disney-Comics geliebt. Am meisten wohl in Form von „Lustiges Taschenbuch“ und ganz besonders die Sonderhefte „Die tollsten Geschichten von Donald Duck“, in denen sich auch hochwertige Geschichten von Carl Barks finden ließen. Seit meinem Auszug befinden sich die gesammelten Comics nun in großen Kisten irgendwo im Keller der elterlichen vier Wände. In den letzten 7 Jahren habe ich zwar ab und an einen Blick in neuere Disney-Comics geworfen, wurde mit ihnen aber nie richtig warm. Nach dem Genuss von Don Rosas „Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden“ bin ich allerdings wieder richtig heiß auf die Familie Duck und würde mir am liebsten alle Carl Barks Geschichten zulegen. Leider ein recht kostspieliges Unterfangen.

Doch nun zum eigentlichen Comicband dieser Besprechung: Eine Offenbarung. Anders kann man es nicht sagen. Don Rosa hat hiermit wohl das Standardwerk der Post-Barks-Ära geschaffen. Seine Biographie Dagobert Ducks ist detailgetreu gezeichnet, herrlich geschrieben und steckt voller Anspielungen auf die Weltgeschichte. Die einzelnen Geschichten sind dabei weit davon entfernt in Albernheiten abzugleiten, wie man es teils aus neueren Disney-Comics kennt. Man nimmt die Figuren ernst. Fühlt mit ihnen. Die geschilderten Ereignisse sind deutlich erwachsener, als man dies erwarten würde. Dabei wird dennoch die Comichaftigkeit nicht aufgegeben. Eine erstaunlich gelungene Gradwanderung und ein wahrer Genuss für die Augen.

Neben den zwölf Hauptkapiteln enthält diese wunderschöne gebundene Ausgabe sieben Zusatzkapitel sowie zwei Bonusgeschichten. Qualitativ nehmen sich die einzelnen Kapitel nicht viel. Dennoch hatte ich einige Vorlieben: Die Abenteuer Dagoberts in Klondike sind mir – vielleicht auch aufgrund der Liebesgeschichte – besonders ans Herz gewachsen. Man sieht dort eben auch einmal die Weiche Seite der geizigen Ente. Zudem gibt es wunderschöne Zeichnungen zu bewundern, aber die lassen sich sowieso auf jeder einzelnen Seite finden. Weiterhin sind mir die Gegebenheiten in Schottland sowie die Reise nach Entenhausen speziell im Gedächtnis geblieben, wobei ich auch gerne noch an die restlichen Erlebnisse Dagoberts denke.

Zwischen den einzelnen Kapiteln finden sich jeweils Anmerkungen des Autors. In diesen weist Don Rosa auf Bezüge zu den Geschichten von Carl Barks hin, erklärt historische Zusammenhänge oder erzählt einfach nur nette Anekdoten. Wenn man hier liest mit wie viel Feingefühl Rosa das Bark’sche Erbe angetreten ist, kann man nur zum Fan werden. Ich bin es geworden. „Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden“ ist ein bedeutendes Werk für jeden Comicfreund. Meine dringlichste Empfehlung: 10/10 Punkte.

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Eine ganz andere Geschichte (Håkan Nesser)

März 10, 2009

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Kaum ist man einmal ein paar Tage ans Bett gefesselt, geht das mit dem Lesen gleich wieder viel flotter. So habe ich mir meine krankheitsbedingte Auszeit mit Håkan Nessers „Eine ganz andere Geschichte“ vertrieben. Dass ich das Buch trotz Kopfschmerzen und tränenden Augen nur kaum aus der Hand legen konnte, zeugt dabei eindeutig von dessen Qualität.

Erwartungen hatte ich zu Beginn kaum an das Buch. Da es ein Geschenk war, ging ich auch völlig uninformiert an die Sache heran: Man befindet sich zunächst an der französischen Küste und lauscht einem Mann, der seine Ferienerlebnisse in Tagebuchform aufarbeitet. Es ist das Jahr 2002. Nach einem Sprung in die Gegenwart lernen wir Inspektor Gunnar Barbarotti kennen, der mysteriöse Briefe erhält. Kurz darauf geschieht ein erster Mord. Wie dieser mit den geheimnisvollen Aufzeichnungen aus dem Sommer 2002 zusammenhängt? Das sollte jeder Leser selbst herausfinden.

Aufgrund seiner Struktur erinnert mich Nessers Roman etwas an James W. Nichols Roman „Ausgesetzt“, welcher ebenfalls auf zwei inneinander verstrickten Zeitebenen spielt. Abgesehen davon erscheint „Eine ganz andere Geschichte“ oberflächlich betrachtet eher wie ein behutsamer Krimi aus dem europäischen Norden. Die Sprache ist sehr gewählt und auf anspruchsvolle Art und Weise verspielt. Nesser verliert jedoch nie den Faden und gibt seinen Charakteren eindeutig zuordenbare Stimmen. Wirklich äußerst angenehm zu lesen.

Neben der ruhigen und doch stets mitreißenden Geschichte, gewinnt der Roman vor allem durch seine liebevolle Figurenzeichnung. Selbst Nebencharaktere werden hier mit einem plausiblen Hintergrund ausgestattet. Besonders ans Herz gewachsen ist mir aber Inspektor Barbarotti, der wahrhafter wirkt als die meisten anderen Figuren in Geschichten gleichen Genres. Ein echter Typ eben. Zudem werden durch ihn auch interessante sozialkritische und religiöse sowie philosophische Fragestellungen angeschnitten. Natürlich eher am Rande und oberflächlich, aber dennoch bekommt sowohl der Charakter, als auch die Geschichte dadurch Tiefe.

Insgesamt hat mich Håkan Nessers „Eine ganz andere Geschichte“ mehr als nur positiv überrascht und ich bin mir sicher, den Autor nicht zum letzten Mal gelesen bzw. Inspektor Barbarotti nicht zum letzten Mal besucht zu haben. Große klasse, ganz besonders wenn man dringen Ablenkung benötigt: 9/10 Punkte.